In seinem neuen Buch „Stoische Gangarten“ betrachtet Helmut Lethen das stoische Denken neu. Gustave Flaubert führt uns eine stoische Gangart im 19. Jahrhundert vor. Was ist aus ihr im 20. und 21. Jahrhundert geworden? Am „nie versiegenden Vorrat an Gleichgültigkeit der Gesellschaft“, den Flaubert feststellt, herrscht in der Gegenwart kein Mangel. Helmut Lethen schreibt: „Ich empfinde nur, dass die Zukunft leer und drohend auf uns zukommt. Wir leben in einem Raum, in dem politische Paradoxe Handlungslähmung bewirken und Handlungslähmungen Paradoxe plausibel erscheinen lassen.“ Daher ist es schwer, eine Mitte zu finden. Die Erfindung einer Mitte wäre die Lösung des Rätsels, wie man heute noch Stoiker sein könnte. Helmut Lethen lehrte von 1977 bis 1996 an der Universität Utrecht, anschließend übernahm er den Lehrstuhl für Neueste Deutsche Literatur in Rostock.