Hanno Sauers These ist, dass soziale Klassenhierarchien durch Statuswettbewerbe entstehen, die mit sozialen Signalen ausgetragen werden. Denn die ästhetische, moralische und monetäre Dimension des Klassenbegriffs lassen sich nur im Rahmen einer Theorie sozialer Signale verstehen. Hanno Sauer erklärt: „Soziale Signale müssen, um ihre Funktion erfüllen zu können, fälschungssicher sein. Sogenannte „teure“ oder auch „kostspielige“ Signale sind die zentrale Währung von Statuswettbewerben, mit denen sich Gesellschaften in Klassenhierarchien stratifizieren.“ Aber soziale Signale sind intrinsisch unstabil, und ihre Logik ist dynamisch: Um als Zeichen verlässlich zu bleiben, müssen sich kostspielige Signale permanent wandeln, verkehren sich als Kontersignale in ihr Gegenteil. Sie verstecken sich als vergrabene Signale vor dem Entdeckwerden, um als vor dem Entdeckwerden Versteckte entdeckt zu werden. Hanno Sauer ist Professor für Philosophie an der Universität Utrecht.
Statuswettbewerb
Soziale Klassenunterschiede formen unser ganzes Leben
Hallo Sauer zeigt in seinem neuen Buch „Klasse“, was Klassenunterschiede sind, wie sie funktionieren und warum sie so schwer loszuwerden sind. Daneben erklärt er, wie man die „Logik sozialer Signale“ entschlüsseln kann, von denen jeder Mensch umgeben ist. Dabei wird klar: Soziale Klassenunterschiede und Statushierarchien haben einen viel fundamentaleren Einfluss auf unser Denken, unser Handeln und unsere gesamte Gesellschaft, als wir glauben. Hanno Sauer betont: „Sie durchdringen unsere Kultur und unsere Werte und formen unser ganzes Leben. Wenn wir unsere Gesellschaft verbessern wollen, müssen wir verstehen, wie sie funktioniert.“ Klasse ist eine sozial konstruierte Knappheit. Durch diese Knappheit entsteht eine Rangfolge – ein Oben und Unten. Die Position einer Person auf dieser Rangfolge entscheidet darüber, wie viel Prestige, Macht und Ressourcen sie erhält. Hanno Sauer ist Professor für Philosophie an der Universität Utrecht.