Innovationen öffnen scheinbar alle erdenkliche Türen

Moderne Gesellschaften sind besessen von Innovationen. Ende 2019 zeigte Google 3,21 Milliarden Treffer für die Suchanfrage „Innovation“ an, deutlich mehr als für „Terrorismus“ (481 Millionen), „Wirtschaftswachstum“ (rund eine Milliarde) oder „Globale Erwärmung“ (385 Millionen). Vaclav Smil schreibt: „Wir sollen glauben, dass Innovationen alle erdenklichen Türen öffnen: zu einer durchschnittlichen Lebenserwartung weit jenseits der 100 Jahre, zur Verschmelzung von menschlichem Bewusstsein mit künstlicher Intelligenz, zur kostenfreien Nutzung von Sonnenenergie.“ Ein so unkritischer Kniefall vor dem Altar der Innovation ist in zweierlei Hinsicht fehlgeleitet: Er ignoriert die Geschichte großartiger Projekte, die gescheitert sind, nachdem gigantische Summen in die Forschung investiert worden waren. Und er liefert keine Antwort auf die Frage, warum wir so oft an einer nicht optimalen Praxis festhalten, selbst wenn wir wissen, dass eine bessere Alternative existiert. Vaclav Smil ist Professor für Umweltwissenschaften an der University of Manitoba.

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