Deutschland war oftmals zwischen Osten und Westen gespalten

Fast könnte man meinen, es handele sich bei der latenten politischen wie kulturellen Spaltung Deutschlands zwischen Osten und Westen um ein geopolitisches „Schicksal“. Herfried Münkler weiß: „Denn in der Weimarer Republik, einem durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg aus einer starken in eine schwache Mitte verwandelten Deutschland, trat diese Aufspaltung in Ost- und Westorientierung sofort wieder hervor.“ Während die Reichswehrführung unbeschadet ihrer politisch konservativen Einstellung insgeheim mit der Sowjetunion kooperierte, suchten die Außenpolitiker der Republik einen Ausgleich mit den Westmächten, vor allem mit Frankreich. Das Land schwankte zwischen einer Rapallo-Politik, die schließlich zum Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 führte, und einer vor allem in West- und Süddeutschland präferierten Aussöhnung mit Frankreich mitsamt der Wiedereingliederung Deutschlands in den westlichen, den westeuropäisch-ozeanischen Wirtschaftskreislauf. Herfried Münkler ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität. Viele seiner Bücher gelten als Standardwerke, etwa „Imperien“ oder „Die Deutschen und ihre Mythen“.

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