Bernhard Pörksen schreibt: „In der gegenwärtigen Situation, vor dem Horizont ineinander verschlungener Krisen, einer allgemeinen Polarisierungsfurcht und der neuen Macht von Populisten und Ideologen, gewinnt eine Frage an Brisanz, die eine Philosophie des Zuhörens umtreiben muss. Sie lautet: Wem überhaupt zuhören?“ Nur „den Richtigen“ oder auch „den Falschen“? Gilt es beispielsweise vor dem Hintergrund der Wahlerfolge populistischer Parteien, Rechtsextremen Gehör zu schenken? Tut man dies, um sie zu verstehen, weil man zumindest ein partielles Einverständnis für möglich hält? Oder geschieht dies, um die Gesinnung der Parteigänger unvoreingenommen zu begreifen, um sie gut begründet und kenntnisreich zu verurteilen und maximal effektiv zu bekämpfen? Was ist das Ziel: das verständnissinnige, von Sympathie geprägte Verstehen oder die klare Verurteilung? Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen.