Ohne Neid kann es überhaupt keine Gesellschaft geben

Bettina Schulte stellt fest: „Wenn der Neid ein universeller Charakterzug des Menschen ist, und zwar aller Menschen, dann sind alle Bestrebungen, eine gerechte Gesellschaft ohne Anlass zum Neid zu schaffen, ins Reich der Utopie zu verbannen.“ „Die Hoffnung auf eine vom Neid befreite Gesellschaft übersieht, dass es ohne die Fähigkeit des Neides überhaupt keine Gesellschaft geben kann“, schreibt der Soziologe Helmut Schoeck. Andererseits sieht er die Tabuisierung des Neides als notwendig an, um das soziale Gefüge nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, schlimmstenfalls sogar zu sprengen. Hier kommt es wieder zum Vorschein, das Doppelgesicht des Neides: zerstörerisch im des eigenen Mangels bewussten Begehren nach der Fülle des anderen, antreibend und leistungssteigernd im Wetteifer, in der Konkurrenz mit den anderen. Die Kulturjournalistin Bettina Schulte promovierte über Heinrich von Kleist und war mehr als zwanzig Jahre leitende Redakteurin im Feuilleton der Badischen Zeitung.

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