Als sich Oliver Rathkolb mit den ersten Plänen für sein Buch „Ökonomie der Angst“ trug, dachte er noch, dass wir im Vergleich zur Zeit vor 1914 in einer vernünftigen und politisch kontrollierbaren neuen Welt leben: „Sie schien sich trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008 in Richtung einer friedlichen und vielleicht auch sozial gerechteren Zukunft zu entwickeln. Zwar gab es Naturkatastrophen wie das verheerende Erdbeben in Haiti und folgenreiche Unglücksfälle wie die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“, aber der Arabische Frühling scheint die Demokratie auch in den nordafrikanischen Raum zu verbreiten. Diktaturen wie jene in Tunesien wurden durch Massenproteste zerstört, die ab 2011 an Intensität zunahmen. Wir hatten alle das Gefühl, jetzt wird auch Nordafrika, getragen von einer jungen Generation, Teil einer globalen Demokratiebewegung. Oliver Rathkolb war langjähriger Vorstand und Professor des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien.
Naturkatastrophen
Jede Generation ist von ihrer Einzigartigkeit überzeugt
Kann man überhaupt noch hoffen in dieser Zeit? Man fürchtet sich vor Dingen, vor denen man sich fürchten sollte, die jegliches menschliches Maß übersteigen. Philipp Blom ergänzt: „Wir leben in einer Zeit, in der eine Ordnung zusammenbricht und eine neue noch nicht entstanden ist und vielleicht sobald nicht entstehen wird.“ Jede Generation glaubt von sich, einzigartig zu sein und vor dem Ende der Welt zu stehen, vor der Apokalypse. Schon immer liefen Propheten herum, die so etwas predigten – aber diesmal ist es wahr. Anscheinend fühlen wir uns jedoch in der Kommunikation miteinander zum Optimismus verpflichtet und wollen uns auch angesichts der schrecklichsten Neuigkeiten gerne noch an einem Silberstreif am Horizont erfreuen. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.