Erschöpfung ist ein allgegenwärtiges und zeitloses Phänomen. Anna Katherina Schaffner nennt Beispiele: „Es steht im Zentrum einer ganzen Palette von vergangenen und gegenwärtigen Müdigkeitssyndromen, zu denen neben Burnout auch Melancholie, Trägheit – Acedia –, Neurasthenie und Depression zählen.“ Zu allen Zeiten haben Schreibende und Denkende ihre Erschöpfung beklagt und mit einer gewissen Wehmut auf vergangene Zeiten zurückgeblickt, die sie als weniger anstrengend empfanden. Reflexionen zur Begrenztheit unserer Kraft sowie über mögliche innere wie äußere Gründe für das Schwinden können bis in alte China zurückverfolgt werden. Der Kritiker Frank Kermode schreibt: „Unsere eigene Krise kommt uns herausragend vor, wir finden sie besorgniserregender und interessanter als andere Krisen. […] Es ist allgemein üblich, die jeweilige historische Situation als besonders dramatisch und außergewöhnlich anzusehen, als einen Wendepunkt im Lauf der Zeiten.“ Anna Katherina Schaffner ist Kulturhistorikerin und zertifizierter Burnout-Coach.