Was mit der Vielfalt des Lebens auf diesem Planeten passiert und wie rapide sich dieser Zusammenbruch vollzieht, ist fürchterlich. Philipp Blom ergänzt: „Nicht nur, dass täglich Hunderte von Organismen aussterben, noch bevor sie jemals von Menschen identifiziert wurden. Die rapide Veränderung und Verschlechterung von Lebensräumen führt dazu, dass Schlüsselarten verschwinden, auf denen ganze Ökosysteme aufbauen.“ In manchen Gegenden Europas sind jetzt schon durch Pestizide und Monokulturen achtzig Prozent der Insekten verschwunden. Die Verödung ganzer Landschaften oder Meeresregionen lässt sich in vielen Fällen gar nicht mehr oder nur sehr langsam wieder rückgängig machen. Mikroplastik hat inzwischen nicht nur den tiefsten Grund der Ozeane erreicht, sondern ist auch in menschlichen Hirnen und in Muttermilch gefunden worden. Jede Minute verschwinden dreißig Fußballfelder Regenwald und eine Million Tonnen arktisches Eis. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.
Monokulturen
Das Artensterben hat sich beschleunigt
Dirk Steffens und Fritz Habekuss wissen: „Die Beschleunigung des Artensterbens ist keine bloße Annahme, sondern belegbar.“ Der Living-Planet-Index hat ermittelt, dass die Wirbeltierbestände der Erde sind seit 1970 um etwa 60 Prozent geschrumpft sind. Um ihn zu ermitteln, sind die wissenschaftlichen Daten eines halben Jahrhunderts über fast 17.000 Populationen von mehr als 4.000 Wirbeltierarten ausgewertet worden. Es gibt also heute insgesamt weniger als halb so viele wilde Tiere wie noch vor fünfzig Jahren. Nimmt die Zahl der Individuen innerhalb der Arten weiter ab, muss zwangsläufig in den kommenden Jahrzehnten auch die Aussterberate schneller in die die Höhe schießen In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.