Svenja Flasspöhler scheibt: „Würde Sigmund Freud also in den Genuss heutiger TV-Sendungen kommen, wäre seine Diagnose recht klar: Das Spektakel der Talkshow verdankt sich einer fundamentalen Trieb-Unwucht mit strukturell starker Thanatos-Tendenz.“ Ähnlich fiele seine Analyse digitaler Phänomene aus: Psychoanalytisch gesehen sind Shitstorms nicht anderes als das Resultat einer gelungenen Interaktion zwischen Lustmördern und deren Followern. Allerdings wäre Freud nicht Freud, würde er den Trieb einfach zur Privatsache erklären. Auch ist der Trieb nicht naturgegeben. Gesellschaftliche Bedingungen, Verbote und Imperative bringen das Triebleben in seiner konkreten Form erst hervor; öffentliche Räume und mediale Mechanismen lassen das Pendel in die eine – Eros – oder die anderen – Thanatos – Richtung ausschlagen. Elon Musks Spielwiese freier Rede etwas lebt eindeutig vom Vernichtungswunsch, der Klicks generiert, und gibt der Tötungslust ganz gezielten Raum. Svenja Flasspöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins.