Den sozialen Hunger zu spüren, der Einsamkeit ausmacht, ist an sich ebenso wenig ein Krankheitssymptom wie physisch Hunger zu verspüren, weil man nichts gegessen hat. Lars Svendsen ergänzt: „Jedoch kann sich die Einsamkeit in einer Weise entwickeln, dass das Risiko für psychische wie auch physische Leiden dramatisch erhöht wird. Einsame haben einen höheren Verbrauch an Gesundheitsdienstleistungen als Nicht-Einsame.“ Studien zeigen, dass Einsamkeit ein starker Prädikator für Mortalität war, selbst wenn man sich aus methodologischen Gründen entschieden hatte, durch Selbstmord verursachte Todesfälle dabei außer Acht zu lassen. Die Wirkung kann mit dem täglichen Rauchen von 10 bis 15 Zigaretten verglichen werden und ist stärker als der Effekt von Fettleibigkeit und physischer Inaktivität. Lars Frederik Händler Svendsen ist Philosoph und Professor für Philosophie an der Universität Bergen. Seine Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.