Um 1500 beginnt ein neues Zeitalter Europas und der Menschheit auf verschiedensten kulturgeschichtlichen Sektoren, die alle auch dramatische Rechtsfolgen hatten. Mit der Entdeckungsfahrt des Christopher Kolumbus fängt ein Zeitalter der Entdeckung und Eroberung der neuen Welt an, die zugleich eine Geschichte der Kolonisation der neu entdeckten Territorien einleitete. Silvio Vietta weiß: „Das war ein Prozess, der für die indigenen Bevölkerungen dieser Territorien katastrophal war, weil sie nicht als Rechtssubjekte im europäischen Sinne galten und daher rechtlos warne und somit versklavt oder auch umgebracht wurden.“ Das galt zunächst für die Bevölkerung Nord- und Südamerikas, aber ebenso für die Ureinwohner von Afrika, Neuseeland, Australien und anderer Zonen der Erde. Prof. em. Dr. Silvio Vietta hat an der Universität Hildesheim deutsche und europäische Literatur- und Kulturgeschichte gelehrt.
Kolonisation
Im 19. Jahrhundert herrschte eine große Fortschrittsgläubigkeit
Jede einzelne menschliche Verhaltensweise erwächst mehr oder weniger kausal bedingt, entsprechend den Faktoren von „la race, le milieu, le moment“. Jürgen Wertheimer stellt fest: „Auch wenn sie uns etwas gewollt und schematisch anmutet – die Verwissenschaftlichung der Künste ist ein prägender Faktor der Moderne. Und das damit verbundene Menschenbild bis in die Gegenwart gültig geblieben.“ Es erreicht möglicherweise im Kontext der Diskussion um die Grenzen und Möglichkeiten gentechnischer Manipulierbarkeit und des Einsatzes künstlicher Intelligenz sogar einen neuen Höhepunkt. Bei all der Innovationskraft und Fortschrittsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts darf man nicht vergessen, dass diese Dynamik sich paradoxerweise innerhalb eines rigiden Systems von gesellschaftlichen Regularien und Regeln der Repräsentation abspielte. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.