In der Regel gehen Menschen zu Therapeutinnen, Coaches, Lebensberaterinnen und so weiter, weil sie fühlen, dass etwas nicht stimmt, sie etwas quält. Diana Pflichthofer ergänzt: „Aber sie haben für dieses Etwas keinen Namen. Dann ist es womöglich hilfreich, wenn es einen Namen bekommt, auch wenn es ein nicht zutreffender ist.“ Eine Diagnose kann auch entlasten, und dies umso mehr, als sie mit der Riesenwelle der Kognitiven Verhaltenstherapie annehmbare Angebote dafür gemacht werden, warum man X hat. Irgendwie hat man die Erkrankung „geerbt“, in den „Genen“, damit also von Geburt an. Das wird – missverstanden – so aufgenommen, dass die individuellen und gesellschaftlichen Lebensumstände nichts damit zu tun haben. Oder es handelt sich um eine Art „Fehlprogrammierung“. Dr. Diana Pflichthofer ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytikerin und Gruppenanalytikerin.