Welche dramatischen Effekte die Überschreitung klimatischer Kipppunkte haben kann, zeigt die Erdgeschichte. Dirk Brockmann erklärt: „Aus Untersuchungen in ozeanischen Sedimentschichten weiß man, dass zu verschiedenen Zeitpunkten sogenannte anoxische Ereignisse stattgefunden haben. Binnen vergleichsweise kurzen Zeiträumen ist dabei die Sauerstoffkonzentration in den Ozeanen extrem stark abgesunken.“ In diesen Phasen gelangten aufgrund von starker Erosion oder vermehrten Vulkanausbrüchen Verwitterungsprodukte in die Ozeane. Sie wurden überdüngt. Gleichzeitig wurde die wichtige thermohaline Zirkulation unterbrochen. Wie die kleinen und großen Seen kippten die Ozeane dann praktisch gleichzeitig um. Es wird vermutet, dass dieser globale marine Kipppunkt schon mehrfach überschritten wurde und zum Teil zu marinen Massenaussterben geführt hat, von denen sich die Ozeane erst nach Hunderttausenden von Jahren wieder erholen konnten. Der Komplexitätswissenschaftler Dirk Brockmann ist Professor am Institut für Biologie der Berliner Humboldt-Universität.