Noch ein anderer CSU-Mann darf in einer Reihe der fehlbaren Politiker nicht fehlen: Karl-Theodor von Guttenberg, der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsmister. Auch er hat einen ähnliche Art des Fehlerumgangs wie Andreas Scheuer oder Host Seehofer an den Tag gelegt, ist aber nicht damit durchgekommen. Helene Bubrowski vermutet: „Die Enthüllung über seine plagiierte Doktorarbeit, die seine politische Karriere beendet hat, hätte er vielleicht überstanden, wenn er seinen Fehler nicht erst abgestritten und dann bagatellisiert hätte.“ Seine Rechtfertigung bleibt unvergessen: Die Arbeit sei „über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden“. Es ist kein Zufall, dass wir so oft bei derselben Partei landen. Die CSU pflegt wie keine andere das Image, die Partei der Unbeugsamen zu sein. „Mia san mia“. Helene Bubrowski arbeitet als Politikkorrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Berliner Hauptstadtbüro.
Horst Seehofer
Die Ministerialbürokratie ist eine geschlossene Kaste
Dass Behörden ohne externen Druck oft Missstände nicht abschaffen, ist nach der Argumentation des Politikwissenschaftlers Franz Neumann kein Wunder. Arne Semsrott erklärt: „Er beschreibt die Ministerialbürokratie als eine geschlossene Kaste, die keine Außenseiter in ihren Reihen duldet. Neumann, der von den Nazis ins Exil geflohen war, veröffentlichte Anfang der 1940er den „Behemoth“, ein Standardwerk zum Nationalsozialismus.“ An deutschen Beamten ließ er kein gutes Haar. Sie seien „extrem ehrgeizige und alles in allem leistungstüchtige Techniker, die sich um politische und soziale Werte wenig schweren“. Ihr großes Streben sei „zu bleiben, wo sie sind, oder genauer: so rasch wie möglich befördert zu werden“. Beamte seien weder für noch gegen den Nationalsozialismus, sondern befürworten lediglich die Ministerialbürokratie. Arne Semsrott ist Politikwissenschaftler und Aktivist.