Feigheit ist eine umfassende und vielschichtige Erscheinung

Das neue Buch von Heidi Kastner ist als ein Essay über die Feigheit zu verstehen beziehungsweise über diejenigen Aspekte dieses Phänomens, die bei der Autorin wiederkehrend Unbehagen auslösen. Feigheit ist eine umfassende und vielschichtige Erscheinung, welche die Menschheit vermutlich seit Anbeginn begleitet und durchgängig negativ bewertet wurde. Feigheit kann als Persönlichkeitseigenschaft oder als Phänomen verstanden werden, das sich nur in spezifischen Situationen manifestiert, und bezeichnet ein Verhalten, das aus einer Kombination von Emotionen und kognitiver Bewertung resultiert. Eine besonders negative und sanktionsintensive Bewertung der Feigheit findet sich immer dort, wo in einer Gesellschaft gemeinsame Moralvorstellungen herrschen und feiges Verhalten andere gefährdet oder einer Bedrohung aussetzt, die durch gemeinsame Anstrengung abgewehrt werden muss. Die Psychiaterin und Primärärztin für forensische Psychiatrie leitet am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums die Abteilung für Forensische Psychiatrie.

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Der Wut fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz

In ihrem Buch „Wut“ setzt sich Heidi Kastner mit einem verpönten Gefühl auseinander. Die Autorin schreibt: „Wut ist, gelinde gesagt, unangenehm, und zwar sowohl für den, der sie empfindet als auch für den, den sie trifft. Wir kennen die blinde Wut, die kalte Wut, die ohnmächtige Wut, wir sind außer uns vor Wut.“ Wut ist eine von mehreren Basisemotionen, ist also Teil der „conditio humana“ und Teil unseres ureigenen Verhaltensrepertoires. Die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz schlägt sich in einer umfangreichen Ratgeberliteratur nieder: 99,9 Prozent aller verfügbaren Buchtitel zum Thema Wut befassen sich mit dem Nicht-Ausleben. Die Wut wird in diesen Büchern meist als Indiz fehlender Selbstakzeptanz interpretiert. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der Forensischen Abteilung der Landesnervenklinik in Linz.

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