Der „Allerwelts-Choleriker“, der spontan, unbeherrscht und jähzornig seine jeweils aktuelle Befindlichkeit auslebt, muss nicht zwingend schon die definierten Grenzen einer Persönlichkeitsstörung überschreiten. Heidi Kastner erklärt: „Findet er im Privaten eine ausreichende Zahl gelassener Kommunikationspartner, die sich von den vulkanartigen Ausbrüchen nicht beirren lassen, ungerührt deren Ende abwarten und dann – „so ist er eben, aber er hat auch gute Seiten“ – wieder zu Tagesordnung übergehen.“ Und zeigt er im Berufsleben mehr Fähigkeit zur Selbstkontrolle und findet einen Chef, der wegen seiner positiven Eigenschaften die vereinzelten Gewitter toleriert, so muss eine cholerische Disposition nicht unbedingt zu dauernden Konflikten und Leidenszuständen führen. Eine besondere Herausforderung stellen cholerische Chefs dar: Nicht jedem ist es gegeben, derartige Eruptionen ungerührt vorbeiziehen zu lassen, obwohl das wohl das probateste Mittel wäre, damit umzugehen. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der Forensischen Abteilung der Landesnervenklinik in Linz.