Der Radikale unterscheidet sich vom Extremisten durch Selbstbeherrschung

Mirjam Schaub entwickelt in ihrem Buch „Radikalität und der Riss zwischen Theorie und Praxis“ eine unerhörte Kulturgeschichte, in der sie den Formen der Radikalität von der Antiken bis zur Gegenwart beschreibt. Die Autorin erklärt: „Radial ist, wer den Riss zwischen Theorie und Praxis nicht länger erträgt und anfängt, die von Aristoteles begründete, nötige Distanz zwischen beiden Größen einzureißen.“ Wer sich gegen die Theorie-Praxis-Lücke, gegen die symbolische Ordnung und gegen die eigene Selbsterhaltungsinteressen wendet, ist damit nur noch eine Wimpernschlag vom Extremisten entfernt. Der Radiale unterscheidet sich vom Extremisten jedoch durch die Selbstbeherrschung, einer selbst auferlegten Zurückhaltung, die es ihm erlaubt, das eigene Opfer an der Grenze des eigenen Lebens enden zu lassen. Mirjam Schaub ist Professorin für Kulturphilosophie und Ästhetik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Weiterlesen