Die deutsche Philosophin Edith Stein brachte während des Ersten Weltkriegs ihren eigenen Körper ein. Timothy Snyder erklärt: „Als Doktorandin ließ sie sich beurlauben, um sich freiwillig als Krankenschwester zu melden. Als sie wieder zu ihrer Doktorarbeit zurückkehrte, bestimmte die Erfahrung mit den Verwundeten ihre Abhandlung für die Einfühlung.“ „Ist nicht“, so fragte sie, „die Vermittlung des Leibes notwendig, um uns der Existenz eines anderen zu versichern.“ Statt vom „Körper“ sprach Edith Stein vom „Leib“. Die erste Form der Freiheit ist, wie Timothy Snyder zeigen möchte, die Souveränität. Eine souveräne Person kennt sich und die Welt in ausreichendem Maße, um Urteile über Werte abzugeben und diese Urteile verwirklichen zu können. Timothy Snyder ist Professor für Geschichte an der Yale University und Permanent Follow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien.