Krisen schmerzen und erzeugen ein Gefühl von Ohnmacht

Wir erleben Krisen in erster Linie aus Ausbruch von Dysfunktionalitäten. Dinge, deren Ablauf geregelt schien, geraten außer Tritt. Konrad Paul Liessmann nennt Beispiele: „Der Körper funktioniert nicht mehr, das Bildungssystem funktioniert nicht mehr, die Wirtschaft funktioniert nicht mehr, der Staat funktioniert nicht mehr.“ Wer sich wegen einer Erkrankung vor Schmerzen krümmt, nach einer Trennung dem Alkohol verfällt, als Lehrperson angesichts chaotischer Zustände nicht mehr unterrichten kann, wer glaubt, nur noch durch Korruption bei Behörden Gehör zu finden, und zusehen muss, wie die Inflation seine Ersparnisse auffrisst, erlebt sich in einem Krisenmodus. Die Krise ist unerwünscht, sie schmerzt, und sie erzeugt das Gefühl von Ohnmacht. Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.

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