Yascha Mounk schreibt: „Der Aufstieg der illiberalen Rechten ist die erstaunlichste Entwicklung des vergangenen Jahrzehnt. In meinen letzten beiden Büchern „Der Zerfall der Demokratie“ und „Das große Experiment“, habe ich geschildert, wie breite Teile der politischen Rechte sich nach und nach eine Spielart des autoritären Populismus zu eigen gemacht haben.“ Diese Demagogen stellen heute, von Ungarn bis nach Indien und die Vereinigten Staaten, eine existenzielle Bedrohung der Demokratie dar. Lange wurde der Aufstieg der Rechtspopulisten kaum zur Kenntnis genommen. Spätestens seit 2016 ist das Thema jedoch in allen westlichen Demokratien ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt. In den vergangenen Jahren gab es deshalb eine wahre Flut von Arbeiten über jeden Aspekt des Populismus. Yascha Mounk ist Politikwissenschaftler und lehrt an der Johns Hopkins Universität in Baltimore.
Demagogen
Das soziale Leben ist ein Mosaik aus Darbietungen
„Die ganze Welt ist Bühne“, sagt der „melancholische Jacques in William Shakespeares „Wie es euch gefällt“. Richard Sennett weiß: „Das ist kein neuer Gedanke. Das Bild des Lebens als Bühne oder Theater lässt sich bis in die Antike zu dem römischen Dichter Juvenal zurückverfolgen.“ Bei Juvenal heißt es: „Ganz Griechenland ist eine Bühne, und alle Griechen sind Schauspieler“, wie auch vorn bis zu dem amerikanischen Soziologen Erving Goffman, der meinte, das „soziale Leben“ sei „ein Mosaik aus Darbietungen“ unterschiedlichster Art. Der Gedanke verdeckt allerdings mehr, als er enthüllt. Als Richard Sennett mit der Niederschrift eines Essays über die Gesellschaft und die darstellenden Künste begann, beherrschten diverse Demagogen die Bühne der Öffentlichkeit. Richard Sennett lehrt Soziologie und Geschichte an der London School of Economic und an der New York University.
Demagogen werfen dem Establishment Volksferne vor
Liberale Demokratien müssen sich auf neue Aufgaben einstellen. Polarisierung? Roger de Weck stellt fest: „Angesagt und vonnöten ist das diametrale Gegenteil, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen zu sein. Polarisierende und radikalisierende Politik taugt zum Machtgewinn, sonst zu gar nichts.“ Demagogen werfen dem Establishment Volksferne vor. Doch verrät ihre Faktenferne bis hin zu Faktenfreiheit, dass ausgerechnet die vorgeblich rechte „Realpolitik“ meilenweit von der Realität entfernt ist. Auf postfaktische Weise lässt sich die Gesellschaft radikalisieren, aber kein Ziel erreichen. Und das Reiseziel der Politik heißt jetzt in jeder Hinsicht: Einbezug. Die Ökologie ist ins Gefüge der demokratischen Institutionen einzubeziehen. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist in den republikanischen Dreiklang Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einzuweben. Roger de Weck ist ein Schweizer Publizist und Ökonom.