Jürgen Wertheimer stellt das Projekt der Renaissance vor

Das vitale Projekt der Renaissance probte erfolgreich den Aufstand gegen eine Domestizierung und entwarf des Konzept von Individuen, die über die göttlichen und menschlichen Gesetze hinauswuchsen. Später im nervösen 18./19. Jahrhundert wurden diese Entwürfe einmal mehr gebändigt. Jürgen Wertheimer erklärt: „Wie es eigentlich immer um diese Antinomie geht: Das Gesellschafts-Ich im weitesten Sinne steht in höchster Spannung zum Individual-Ich. Wobei manchmal die soziale Seite dominiert wie im Realismus, dann wieder das autonome Ich ins Zentrum tritt wie in der Décadence.“ Bis hin zum Akt des Sich-Ausklinkens aus jeder Form der Wertegemeinschaft, in Sonderheit der demokratischen als einer gleichmacherischen. Moral als sozialer Vampirismus und Décadence als praktizierte Menschenverachtung. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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