Das Titelthema des neuen Philosophie Magazins 05/2026 lautet: „Aufmerksam sein. Wie wir uns mit der Welt verbinden.“ Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler schreibt in ihrem Editorial: „Wer mit der Welt wahrhaft in Kontakt steht, richtet die eigenen Sinne auf das, was jetzt und hier geschieht; tritt ein in Wechselspiel von aktiver Wahrnehmung und passiver Verführung durch dieses oder jenes Detail; öffnet sich für unverhoffte Schönheit.“ An unseren Aufmerksamkeitsmustern lässt sich ablesen, wer wir sind und welche Ausschnitte der Welt wir wahrnehmen. In ihnen zeigt sich erstens, was für uns als Gattungswesen von Bedeutung ist. Zweitens zeigen sich in ihnen die Werte und Vorstellungen unserer Kultur. Drittens offenbart sich in den Aufmerksamkeitsmustern des Einzelnen auch etwas Individuelles und Unvorhergesehenes. Vor allem aber stiftet unsere Aufmerksamkeit eine Verbindung zwischen uns und der Welt. Denn wir richten unsere Aufmerksamkeit auf Aspekte, die uns wichtig sind, und öffnen uns zugleich für das, was uns entgegenkommt, uns berührt und bewegt.
Corine Pelluchon
Ein neuer Humanismus muss das Lebendige vor der Maschine schützen
Die wichtigste Aufgabe eines neuen – mancherorts nennt man ihn schon digitalen – Humanismus muss sein, nicht nur das Lebendige vor der Maschine zu schützen, sondern auch zu erkennen, was das menschliche Tier der Maschine überlegen macht. Lisz Hirn erklärt: „Die Arbeitsleistung ist es jedenfalls nicht. Viel eher werden wir das Recht auf Arbeit künftig durch ein Gebot zu Faulheit ersetzen müssen, wenn wir der unbarmherzigen Barbarei unseres Konsumkapitalismus oder dem gnadenlosen Wettbewerb mit den Gerätschaften maschinellen Denkens entkommen wollen.“ Diese Erkenntnis ist aus mindestens zwei Gründen wichtig: zum einen, weil sich die Menschheit mittels ihrer maschinellen Erfindungen, wie der Atombombe, selbst vernichten könnte, wie man seit Mitte des 20. Jahrhunderts schmerzlich weiß. Lisz Hirn arbeitet als Publizistin und Philosophin in der Jugend- und Erwachsenenbildung, unter anderem am Universitätslehrgang „Philosophische Praxis“.