Philipp Blom schreibt: „Innerhalb einer Bandbreite von Perspektiven wurden vier Autoren im Laufe des 17. Jahrhunderts weiterhin gelesen, häufig wieder aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt. Zwei von ihnen aber – Michel de Montaigne und Bernardino Telesio – wurden irgendwann als Literatur oder wissenschaftliche Eigenbrötelei eher von Liebhabern und Historikern konsultiert.“ Die beiden anderen aber rückten ins Zentrum der Debatte, beeinflussten Generationen von Wissenschaftlern und Philosophen und wurden dementsprechend als intellektuelle Gründerväter eines neuen Zeitaltern gefeiert, in den Kanon der wichtigsten Werke aufgenommen, von Historikern hervorgehoben und an Schulen und Universitäten gelehrt. Bis ins 19. Jahrhundert hindurch hatte dieser Kanon eine Leerstelle, eine klaffende Lücke in der Geschichte des Denkens, einen Namen aus der nachfolgenden Generation, der nicht oder nur mit Bannflüchen genannt werden durfte: Baruch de Spinoza (1632 – 1677). Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.
Bernardino Telesio
Das Wesen der Natur hat ihre eigenen Prinzipien
Francis Bacons Schriften zeigen ihn als einen Mann, der zwischen zwei intellektuellen Kulturen und zwei Zeiten stand. Philipp Blom erklärt: „Als Junge in Cambridge war er nach dem mittelalterlichen Curriculum erzogen worden und als Erwachsener nahm er an Hexenprozessen teil. Er war aber auch einer der weitsichtigsten Kritiker seiner eigenen Zeit und formulierte Prinzipien des wissenschaftlichen Denkens und Handelns, die über Jahrhunderte kritisiert und weitergedacht, nie aber ersetzt wurden.“ Der Jurist und Politiker Francis Bacon dachte produktiv im Gespräch oder in Korrespondenzen mit anderen, unter ihnen der italienische Denker Bernardino Telesio (1509 – 1588). Dieser hatte in seinem Wert „De rerum natura iuxta propria principia – Vom Wesen der Natur nach ihren eigenen Prinzipien, 1565 – eine revolutionäre Theorie über die Natur vorgeschlagen hatte. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.