Ekstatische Gefühlszustände waren und sind allgegenwärtig

In ihrem Buch „Berauscht der Sinne beraubt“ folgt Racha Kirakosian der Bedeutung des Phänomens der Ekstase von der Antike bis in die Gegenwart. Sie vereint Religionsgeschichte, Kulturgeschichte und Medizin, um diesen facettenreichen Bestandteil des menschlichen Daseins zu beleuchten. Das wohl dominanteste Narrativ, das dem Image der Ekstase nachhaltig Schaden zugefügt hat, ist von einem spezifischen Denken der Aufklärung beeinflusst. Demnach geht Fortschritt in der Geschichte mit Rationalität einher, wohingegen Ekstase mit Bewusstseinszuständen wie Traum und Vision verbunden wird und damit als diametral entgegengesetzt zur Vernunft gilt. Racha Kirakosian stellt fest: „Die Vorstellung, dass spirituelle und ekstatische Momente rückständig und deswegen zu überwinden seien, prägt nach wie vor unser westliches Bild von dem, was geheimhin als Fortschritt gilt.“ Racha Kirakosian bekleidet eine Professur für Mediävistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

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