Helmut Lethen propagiert stoisches Verhalten und Denken

Helmut Lethens eigentümliche Reise mit der Stoa mit leichtem Handgepäck gipfelte 1994 mit einem Buch über „Lebensversuche zwischen den Kriegen“. Damals fand er in der heillosen Geschichte der ersten deutschen Republik ein mentales Ordnungsschema, was in unterschiedlichen politischen Strömungen wirksam war, und nannte es „Verhaltenslehren der Kälte“. Helmut Lethen begriff sie als Anweisungen zu stoischem Verhalten und Denken, mit denen man die damaligen Lebensversuche angehen sollte. Die Provokation der „Verhaltenslehren“ bestand in ihrem Angriff auf den Kult der Betroffenheit der achtziger Jahre, auf den Rückzug in eine „Vulnerabilität“, in die sich die einzelnen einigelten und ihre Verletzbarkeit ausstellten. Helmut Lethen lehrte von 1977 bis 1996 an der Universität Utrecht, anschließend übernahm er den Lehrstuhl für Neueste Deutsche Literatur in Rostock.

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An Gleichgültigkeit in der Gesellschaft herrscht in der Gegenwart kein Mangel

In seinem neuen Buch „Stoische Gangarten“ betrachtet Helmut Lethen das stoische Denken neu. Gustave Flaubert führt uns eine stoische Gangart im 19. Jahrhundert vor. Was ist aus ihr im 20. und 21. Jahrhundert geworden? Am „nie versiegenden Vorrat an Gleichgültigkeit der Gesellschaft“, den Flaubert feststellt, herrscht in der Gegenwart kein Mangel. Helmut Lethen schreibt: „Ich empfinde nur, dass die Zukunft leer und drohend auf uns zukommt. Wir leben in einem Raum, in dem politische Paradoxe Handlungslähmung bewirken und Handlungslähmungen Paradoxe plausibel erscheinen lassen.“ Daher ist es schwer, eine Mitte zu finden. Die Erfindung einer Mitte wäre die Lösung des Rätsels, wie man heute noch Stoiker sein könnte. Helmut Lethen lehrte von 1977 bis 1996 an der Universität Utrecht, anschließend übernahm er den Lehrstuhl für Neueste Deutsche Literatur in Rostock.

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