In den frühen 1990er Jahren geschahen unerwartete Dinge: gewalttätige Rassenunruhen in Los Angeles, über die Timothy Snyder in polnischen Zeitungen las, als ich die Sprache an der Ostseeküste lernte; die erste Bewerbung des Milliardärs Ross Perot um das Präsidentenamt, der für Timothy Snyder auf einer BBC-Wahlkarte in einem Gemeinschaftsraum in Oxford real wurde; die Jugoslawien-Kriege, die Flüchtlinge nach Wien trieben, wo sich Timothy Snyder mit einigen von ihnen anfreundete. Doch in dieser Stimmung schien jede Krise etwas Besonderes und jede Herausforderung etwas Technisches zu sein. Geschichte war nicht etwas, das man lernte, sondern das man verantwortlich machte – die ethnischen Säuberungen auf dem Balkan waren angeblich eine Folge „uralten Hasses“, Amerika sollte der zeitlose Maßstab für Freiheit sein. Timothy Snyder ist Professor für Geschichte an der Yale University und Permanent Follow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien.