Der Grund für das Vorherrschen negativer Vorstellungen bim Stichwort Ekstase ist die Assoziation mit Drogen. Racha Kirakosian stellt fest: „Der Konsum von bewusstseinsverändernden Substanzen wird erst einmal grundsätzlich als verwerflich angesehen – wenn man vom Alkoholgenuss absieht, der in vielen Kulturkreisen salonfähig ist –, und nicht selten wird er in einem Atemzug mit Kriminaldelikten anderer Art wie Waffen- und Sexualverbrechen genannt.“ Der Sozialwissenschaftler Aldo Legnaro erklärt diese Tendenz damit, dass im industriellen Europa – im Gegensatz zum vorindustriellen Zeitalter – der Rausch nicht mehr mit dem modernen, getakteten und auf Arbeitseffizienz ausgerichteten Leben vereinbar gewesen sei, sodass er als deviant abgestempelt wurde. Diese eurozentrische These, welche die Selbstkontrolle des Individuums hervorhebt, verfolgt eine nicht ganz unproblematische Grundannahme, nämlich die, dass in der Vormoderne das Leben nicht effizient und strukturiert abgelaufen sei und deswegen Rauschmittel damals präsenter gewesen seien. Racha Kirakosian bekleidet eine Professur für Mediävistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.