Was mit der Vielfalt des Lebens auf diesem Planeten passiert und wie rapide sich dieser Zusammenbruch vollzieht, ist fürchterlich. Philipp Blom ergänzt: „Nicht nur, dass täglich Hunderte von Organismen aussterben, noch bevor sie jemals von Menschen identifiziert wurden. Die rapide Veränderung und Verschlechterung von Lebensräumen führt dazu, dass Schlüsselarten verschwinden, auf denen ganze Ökosysteme aufbauen.“ In manchen Gegenden Europas sind jetzt schon durch Pestizide und Monokulturen achtzig Prozent der Insekten verschwunden. Die Verödung ganzer Landschaften oder Meeresregionen lässt sich in vielen Fällen gar nicht mehr oder nur sehr langsam wieder rückgängig machen. Mikroplastik hat inzwischen nicht nur den tiefsten Grund der Ozeane erreicht, sondern ist auch in menschlichen Hirnen und in Muttermilch gefunden worden. Jede Minute verschwinden dreißig Fußballfelder Regenwald und eine Million Tonnen arktisches Eis. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.
Philipp Blom warnt vor der Klimaerhitzung und der Zerstörung der Ökosysteme
Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) sind zwei unterschiedliche Kräfte, die aber miteinander zusammenhängen. Beide bergen Potenziale und Gefahren, die wir noch gar nicht abschätzen können. Philipp Blom nennt ein Beispiel: „Allein in der Biologie reichen sie von durch KI auf persönliche Genprofile zugeschnittenen Therapien mit speziell designten Molekülen bis hin zu neuen Biowaffen.“ Aber sie ziehen auch noch andere Konsequenzen nach sich, zum Beispiel den Verlust von menschlicher Arbeit, der westliche Gesellschaften in den nächsten Jahrzehnten treffen wird.
Weite Teile unseres Zusammenlebens werden sich verändern. Philipp Blom warnt vor der Klimaerhitzung, der Zerstörung von Ökosystemen, der Verschmutzung der Ozeane, vor dem Zusammenbruch der Artenvielfalt und der Explosion von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung in allen Lebensbereichen. Und im Kontext dazu wüten hinter unseren Grenzen altmodische, mörderische Kriege, in die wir längst verwickelt sind und die weiter zu eskalieren drohen.
Dantes Inferno scheint die Zukunft der Menschheit geworden zu sein
Zu beobachten sind zudem enorme Fluchtbewegungen, hilflose Staaten, die immer größere Teile ihrer demokratisch legitimierten Macht an Märkte abgeben. Philipp Blom ist fassungslos: „Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen, und singen dabei ein fröhliches Lied.“ Das gilt normalerweise nicht als besonders intelligent, aber wir sind intelligent. Wir entwickeln sogar wissenschaftliche Modelle, die uns genau vorhersagen, was passiert, wenn wir so weitermachen wie bisher.
Dennoch machen wir weiter so wie bisher, und die Modelle sind wahnsinnig clever, behalten recht, erstaunlich oft. Philipp Blom fügt hinzu: „Und wenn sie mal nicht recht hatten, weil sie zu unterkomplex oder zu konservativ waren und sich die Entwicklungen noch beschleunigen durch kommunizierende oder sich wechselseitig verstärkende Effekte.“ Dantes Inferno scheint unsere Zukunft geworden zu sein. Der Dichter schreibt: „Lasst alle Hoffnung fahren, ihr, die ihr eintretet.“ Quelle: „Hoffnung“ von Philipp Blom
Von Hans Klumbies
