Der Wandel und der nötige Aufbruch können gelingen

Stefan Klein erklärt in seinem neuen Buch „Aufbruch“, warum Menschen auf Neues von Natur aus widerwillig reagieren und wie verbreitete Illusion über den Fortschritt sie lähmen. Und er zeigt anhand von Beispielen, nach welchen Gesetzen der Wandel funktioniert. Wie kann der heute nötige Aufbruch gelingen? Wir blockieren uns selbst. Der einzige Weg ist, dass wir und selbst und andere besser verstehen. Veränderung setzt voraus, dass wir lernen, einander zuzuhören und einander ernst zu nehmen. Täglich führen uns die Medien vor Augen, wie es um uns steht. Man müsste sich schon in eine Höhle zurückziehen und alles Sinneskanäle verschließen, um zu glauben, dass wir in einer heilen Welt leben. Die weltweite Klimakrise ist eine Notlage von einem in der Menschheitsgeschichte nie dagewesenem Ausmaß. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.

Jede Sichtweise beruht auf Vorurteilen

Im besten Fall gelingt es Menschen, eine falsche Erwartung zu korrigieren. Dazu muss man die Erwartung zunächst als solche erkennen. Für Menschen, die nicht merken, dass jede Sichtweise auf Vorurteilen beruht, erfand Ludwig Wittgenstein sogar einen Begriff: Er nannte sie aspektblind. Sie verwechseln ihre Wahrnehmung und ihre Gedanken mit der Realität. Doch aspektblind sind wir, zumindest gelegentlich, alle. Wenn Menschen bestimmten Reizen mehrmals ausgesetzt sind, empfinden sie diese Reize als angenehm. Vorlieben entstehen durch simple Wiederholung.

Wissen kann Gesellschaften verändern. Nicht neues Wissen, sondern neue Werte trieben die Veränderung. Der Umbruch begann, als Einzelne den Widerspruch zwischen dem, was allen bekannt war, und dem was sie sahen, nicht mehr ertrugen. Unter dem Einfluss der Aufklärung, die Menschen zum Gebrauch ihres Verstandes aufforderte, brachen die Verteidigungslinien der kognitiven Dissonanz zusammen. Ein Dominostein bringt den Nächsten zum Kippen, eine Veränderung löst weitere aus.

Eine Kultur der Veränderung setzt auf Motivation und Information

Gegen die menschliche Trägheit können bloße Willenskraft wenig und Härte gar nichts ausrichten. Je länger Menschen eine Gewohnheit folgen, desto weniger unterliegt diese dem bewussten Willen. Gewohnheiten folgen Auslösern, nicht Absichten. Und die Unlust, sie zu ändern, ist keine menschliche Schwäche, sondern ergibt sich aus der Organisation des Gehirns. Kommandos, plötzlich etwas anderes zu tun, führen deswegen in den meisten Fällen zu einem Ergebnis – Verweigerung.

In seinem Buch „Aufbruch“ zeigt Stefan Klein, was nötig ist, damit Wandel gelingt. Entscheidend ist, gemeinsam zu handeln. Menschen übernehmen neues Verhalten und neue Überzeugungen, wenn sie sich gegenseitig bestärken und ermutigen nach ihren Werten zu leben. Eine Kultur der Veränderung setzt auf Motivation und Information. Sie überwindet den Graben zwischen denen, die vorausgehen, und denen, die folgen. Sie nimmt Menschen die Scham über ihre Gewohnheiten und Irrtümer und die Angst vor der Zukunft.

Aufbruch
Warum Veränderung so schwer fällt und wie sie gelingt
Stefan Klein
Verlag: S. Fischer
Gebundene Ausgabe: 286 Seiten, Auflage: 2025
ISBN: 978-3-10-397613-7, 24,00 Euro

Von Hans Klumbies