Soziale Bindungen führen meistens zu einem glücklichen Leben

Warum suchen wir uns einen Partner? Wir erwarten, wichtige existentielle Bedürfnisse stillen zu können. In früheren Zeiten war der Lebenskampf zweifellos so hart, dass es günstig und sogar notwendig war, Teil einer Familie zu sein. Michael Lehofer ergänzt: „In der jetzigen Zeit ist es manchmal nach wie vor günstig, aber so klar ist die Sache scheinbar doch nicht. Sonst gäbe es hierzulande nicht so viele Singles.“ In Entwicklungsländern kommen die Menschen nicht auf die Idee allein zu leben. Immerhin ist laut der wissenschaftlichen Glücksforschung soziale Bindung einer der Hauptfaktoren, um im Leben glücklich zu werden. Das gilt interessanterweise überall auf der Welt, nicht nur in den ärmeren Ländern. Univ.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Lehofer ist ärztlicher Direktor und Leiter der einer Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Landeskrankenhaus Graz II.

Bedürftigkeit verhindert Partnerschaften

Zweifellos führen enge soziale Bindungen, wie man sie in Partnerschaften und Familien lebt, nicht immer zu einem glücklichen Leben, sondern können auch der goldene Weg in das persönliche Unglück sein. Michael Lehofer erklärt: „Wie viele von uns leiden an zerstörerischen Familiensystemen! 85 Prozent der Morde passieren im engeren Beziehungsfeld. Es scheint gefährlicher zu sein, eine Liebesbeziehung zu führen, als in der Nacht in einem Vorort von Rio de Janeiro allein spazieren zu gehen.“

Doch es tut in der Regel einfach gut, wenn man heimkommt und es wartet jemand auf einen. Auch ist es angenehmer, wenn man nicht allein den Urlaub fahren muss. Es ist einfach schön, jemanden zu haben, der zu uns gehört, für den wir sorgen können oder der sich um uns kümmert. Michael Lehofer stellt fest: „Bedürfnisse führen zu Partnerschaften. Bedürftigkeit verhindert sie. Man ist bedürftig, wenn man sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen kann.“

Im tiefsten Innersten möchten Menschen immer frei bleiben

Wenn wir einen anderen Menschen lieben, dann ist es normal, dass wir uns nicht vorstellen wollen, ohne ihn zu sein. Das ist ein natürlicher Ausdruck unserer Verbundenheit. Michael Lehofer fügt hinzu: „Doch wenn wir – vermeintlich – nicht ohne den anderen sein können, weist das darauf hin, dass wir in der Beziehung die Erfüllung frühkindlicher Frustrationen suchen. Zurückgestoßen zu werden ist für ein Kleinkind existenzgefährdend. Das ist die Grundlage von Bedürftigkeit.“

Menschen, die bedürftig sind, sind klebrig. Niemand mag das, Klebrigkeit ist abstoßend. Im tiefsten Innersten möchten wir immer frei bleiben. Michael Lehofer betont: „Daher können wir nichts brauchen, das an uns klebt. Daher ist ein Mensch, der bedürftig ist, selten erfolgreich bei der Partnerwahl.“ Das wird allerdings kaum berücksichtigt, wenn man analysiert, warum der eine kein Problem hat, jemanden zu finden, der andere aber durchaus. Quelle: „40 verrückte Wahrheiten über Frauen und Männer“ von Michael Lehofer

Von Hans Klumbies