Das Buch „Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri versammelt die wichtigsten psychologischen Einsichten, die ihm auf seinem eigenen Lebensweg geholfen haben. Eine der wichtigsten Lektionen, der er dabei gelernt hat: sich zurückzuhalten. Denn es ist ein menschlicher und nachvollziehbarer Impuls, jemanden, der leidet, einen gut gemeinten Rat zu geben. Leider ist es oft nutzlos. In der Praxis ist es deshalb allein schon für die therapeutische Beziehung wichtig, keine vorschnellen Hinweise zu geben, sondern ein tiefergehendes Verständnis für die Situation zu zeigen. Es reicht nicht, nur erklärt zu bekommen, was hilft und schadet. Wir müssen es auch spüren. Das ist die Basis der kognitiven Verhaltenstherapie. Sina Haghiri arbeitet als Psychotherapeut ambulant in einer Klinik mit Patienten in Einzel-, Paar- und Gruppentherapie.
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Passende Bücher bei Amazon findenDer Konsum stillt das nachhaltige Bedürfnis nach Orientierung nicht
In der Psychotherapie heißt es oft, das Wichtigste passiert nicht in, sondern zwischen den Sitzungen. Wenn das Besprochene sich im echten Leben entfaltet. Sina Haghiri hofft, bei seinem Buch ist es genauso. Im Kapitel „Zuspätkommen“ beschreibt den Autor, dass diese Verhaltensweise kein Charakterfehler, sondern ein Denkfehler ist. Kaum etwas bringt Menschen so zuverlässig auf die Palme wie Unpünktlichkeit. Unpünktlichkeit kann sogar eine Form des unbewussten Widerstands sein, eine Art verdeckter Aggression. In der Psychotherapie zeigt sich das häufig bei Menschen, die sich einer bestimmten Situation einer Person nicht aussetzen wollen, es sich aber nicht offen eingestehen.
Die große Autorität der Moderne, der Konsum, gibt nur immer kurzfristigen Halt, stillt auch er das nachhaltige Bedürfnis nach Orientierung nicht, das bei manchen Menschen weder durch Religion noch durch ihre Nationalstatten erfüllt wird. Vielleicht liegt es also daran, dass die Psychologie so viel Auftrieb hat. Zu Unrecht ist Hintertreffen gerät dabei eine geistige Mutter der Psychologie, die Philosophie. Einst ist sie es gewesen, die zumindest kleinen Teilen der Gesellschaft Orientierung gegeben hat.
Die Lebensregel erlaubt ein Maß an Selbstfürsorge und Realitätssinn
Was wir für Autos selbstverständlich akzeptieren, fällt uns im Umgang mit unserer eigenen Psyche erstaunlich schwer. Regelmäßige Wartung, kleine Checks zwischendurch, das Ernstnehmen von Warnsignalen. Dabei ist der Gedanke so einfach wie logisch. Sina Haghiri betont: „Wenn wir rechtzeitig innehalten, prüfen, wo wir stehen, was nicht mehr rundläuft, wo es erste Anzeichen für Überlastung gibt, dann lassen sich viele Krisen verhindern oder zumindest abmildern.“
In der psychotherapeutischen Praxis arbeiten Patienten an einer einfachen, aber wirksamen Umformulierung. Wir nehmen die starre, absolut formulierte Überlebensregel und übersetzen sie in eine flexiblere Alternative. Diese nennen wir die Lebensregel. Es soll dabei nicht mehr um das pure Überleben eines wehrlosen Kindes gehen, sondern um das aktive Gestalten der eigenen Zukunft als Erwachsene. Während die Überlebensregel nach einem inneren Gesetzt klingt, das keine Abweichung duldet, erlaubt die Lebensregel ein Maß an Spielraum, an Selbstfürsorge, an Realitätssinn.
Was dein Leben leichter macht
Die 20 wichtigsten Erkenntnisse der Psychologie, um dich und andere besser zu verstehen
Sina Haghiri
Verlag: Kösel
Gebundene Ausgabe: 287 Seiten, Auflage: 2026
ISBN: 978-3-466-37359-8, 22,00 Euro
Von Hans Klumbies
