Die Demokratie lebt von der Klugheit seiner Bürger

Für Silvio Vietta ist klar, dass die Demokratie als politische Verwaltungsform ein hohes Maß an Klugheit und eigener Denkarbeit seiner Bürger verlangt. Die antike Athener Demokratie ist nicht zuletzt daran zugrunde gegangen, dass ihre Bürger diese Form der politischen Klugheit nicht aufgebracht haben. Der große Kulturhistoriker Jakob Burckhardt nannte die Griechen ein „hochbegabtes Volk“. Jedoch agierte es in der Athener Demokratie auch politisch undiszipliniert und häufig geradezu chaotisch. Jakob Burckhardt beschreibt, wie sich dasjenige Volk in Athen von der ehrlichen Arbeit abwendet und an lauter Volksversammlungen und Gerichthalten gewohnt war. Dabei unterlag es einer völlig verdrehten und lüsternen Phantasie. Angetrieben durch eine Kultur der Korruption und „fake news“, verrieten die Athener schließlich sogar ihre eigenen Feldherren. Prof. em. Dr. Silvio Vietta hat an der Universität Hildesheim deutsche und europäische Literatur- und Kulturgeschichte gelehrt.

Viele Bürger lassen sich durch „fake news“ täuschen

Die Demokratie in Athen war selbstverliebt und zugleich hochgradig korrupt. Das heißt: Das hochrangige Wertesystem der Demokratie wurde von seinen Bürgern nicht vernünftig ausgefüllt und ging an diesem Defizit zugrunde. Moderne Demokratien haben laut Silvio Vietta ähnliche Probleme. Viele Bürger lassen sich leicht durch „fake news“ täuschen. Die eigentlich anstehenden politischen Aufgaben sind für die Menschen nur schwer zu durchschauen, wodurch sie leicht durch Ideologien oder Populismus zu steuern sind.

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Silvio Vietta stellt fest: „Die Ideologien oder Populismen sind neuzeitliche Erscheinungen.“ Ideologien – eigentlich Ideenlehren – sind Formen des „falschen Bewusstseins“: „falsche Vorstellungen“, oder „Hirngespinste“ wie Karl Marx das genannt hat. Dabei ersetzte der selbst die „deutsche Ideologie“ durch seine eigene des Kommunismus. Er tauschte also eine Ideologie durch eine andere aus. Ideologien liefern einseitige, oftmals sogar naive Lösungen auf komplexe Fragen.

Der Populismus blockiert systematisch das eigene Denken

Ideologien behaupten einen dogmatischen Wahrheitsanspruch, sie geben sich oft kritisch, aber immunisieren sich selbst gegen Kritik. Vielfach werden solche Ideologien heute „Populismus“ genannt. Sie blockieren systematisch eigenes Denken durch Scheinantworten auf komplexe Fragen. Die europäische Kultur der Rationalität hat von ihren Anfängen an das „reine“ Denken von den Emotionen, von der Sinnlichkeit, mithin von der Körperlichkeit des Menschen abzuspalten versucht.

Die Künstliche Intelligenz (KI) ist eigentlich nur ein spätes Produkt dieses europäischen Denkweges, der heute freilich nicht mehr in Europa, sondern in Amerika und China seine Hauptforschungszentren hat. In Bezug auf einfache kombinatorische Denkprozesse haben Computer vielfach das menschliche Denken schon überholt. Ob sie das menschliche Denken in seiner vollen Komplexität je überholen werden, kann bezweifelt werden. Mit dem eigenständigen Denken eng verbunden ist der Wert der Wahrheit, die Suche nach ihr. Rationale Wahrheit wird von der griechischen Antike an mit der „reinen“ Vernunfterkenntnis verbunden. Quelle: „Europas Werte“ von Silvio Vietta

Von Hans Klumbies