Seneca kritisiert sinnlose Anstrengungen und Mühen

Seneca rät den Menschen, sich nicht um überflüssige Dinge zu bemühen und sich nicht ohne Sinn anzustrengen. Das heißt: Unerreichbares soll man nicht herbeisehnen, um nicht zu spät und tief beschämt die Nichtigkeit leidenschaftlich erkämpfter Erfolge zugeben zu müssen. Denn die Trübsal der meisten Menschen rührt aus ihren schimpflichen Erfolgen wie auch aus ihren Misserfolgen. Seneca schreibt: „Schluss machen müssen wir mit dieser Art Betriebsamkeit, die so viele Menschen zwischen ihren Häusern, den Theatern und Marktplätzen hin und hertreibt.“ Sie sollen aufhören, sich aufdringlich in fremde Angelegenheiten zu mischen und ihre Scheinbeschäftigungen aufgeben.

Jede Tätigkeit muss einen Sinn und ein Vorbild haben

Viele Menschen irren ohne festes Ziel umher, verwirklichen nicht bestimmte Pläne, sondern verwickeln sich lediglich in Zufallsgeschäfte. Unüberlegt und vergeblich ist ihr ganzes Tun. Seneca kritisiert diesen Lebensstil: „Mit emsigen Ameisen könnte man sie vergleichen, die sich ohne Sinn und Ziel die Baumstämme hinauf- und wieder hinuntertreiben lassen.“ Mit solchen Ameisen hat das Leben der meisten Menschen die größte Ähnlichkeit. Seneca bezeichnet ihr Treiben als geschäftige Trägheit.

Seneca fordert: „Jede Tätigkeit muss doch einen Sinn und ein Vorbild haben.“ Es sind die falschen Vorstellungen von der Wirklichkeit, die verblendete Menschen rastlos ohne Sinn und Ziel antreiben. Ihr Geist lässt sich von einer schönen Oberfläche reizen und gefangen nehmen, da er deren glänzende Nichtigkeit nicht erkennt. Seneca zitiert Demokrit, der gesagt hat: „Wer ruhig leben will, darf sich nicht verzetteln, weder für Eigeninteressen noch im Staatsdienst.“ Wird ein Mensch jedoch nicht von den gebotenen Pflichten zum Handeln gerufen, sollte er seine Tätigkeit einstellen.

Das Ideal des weisen Menschen

Gerade die Betriebsamen liefern sich dem Schicksal am ehesten aus, wo es laut Seneca doch das Sicherste wäre, es nur im Ausnahmefall mit ihm aufzunehmen. Seneca begründet die Behauptung, dem Weisen könne nichts Unvermutetes zustoßen mit folgenden Worten: „Wir erheben ihn nicht über die Zufälligkeiten des Menschenlebens, sondern nur über dessen Irrtümer. Nicht alles geht ihm nach Wunsch, aber alles entspricht seinen Erwartungen. Bei seinen Planungen hat er nun zuallererst an die möglichen Hindernisse gedacht.“

Es ist zudem die innere Ruhe, die den Weisen über den Rest der Menschen erhebt. Er kann sich umstellen oder Stand halten, je nachdem was die aktuelle Situation gerade verlangt. Er hat alle Äußerlichkeiten fahren gelassen und sich innerlich gesammelt. Er hat Selbstvertrauen, kann sich freuen und Selbstkritik üben. Der Weise hält wesensfremdes möglichst fern, findet zur Übereinstimmung mit sich selbst, betrauert keine Verluste und legt selbst Widrigkeiten zum Guten hin aus.

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Seneca kritisiert sinnlose Anstrengungen und Mühen

  • 21. Dezember 2011 um 16:07
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    Hm, wohl war. Viele Einsichten. Ein paar Gedanken habe ich dazu allerdings auch noch, obwohl dies nicht geboten war 😉

    „Das heißt: Unerreichbares soll man nicht herbeisehnen [..]“. OK. Wenn ich mich so im täglichen Leben umsehe, dann gibt es sehr viele Dinge die irgendwann für irgendjemanden unerreichbar ausgesehen haben. Und trotzdem hat es jemand, völlig unnötig, versucht.

    Auch der Teil „Sie sollen aufhören, sich aufdringlich in fremde Angelegenheiten zu mischen“ ist möglicherweise nicht eindeutig. Wer *definiert* denn was die fremden Angelegenheiten sind, in die wir uns nicht einzumischen haben? Auch hier gibt es Fälle wo „fremde Angelegenheiten“, wird nur lange genug gewartet, zur eigenen Angelegenheit werden.

    Und wenn die Tätigkeit einen Sinn nd ein Vorbild haben muss, dann werde ich wohl dieses Vorbild mit meinen Leistungen kaum überflügeln können. Nicht dass dieses überfliegen generell der Sinn des Lebens sein soll, aber so einfach generell schädlich ist das ja auch nicht. Ziele möchte ich nicht generell als den Versuch definieren, möglichst Nahe an bereits erreichte Leistungen zu kommen. Mal darüber hinaus, das ist doch auch ganz lustig.

    Auch falsche Vorstellungen sind definiert. Beziehungsweise wird in dem Fall ja vermutlich vorgegeben, was denn die *richtigen* Vorstellungen sind. Von Anderen.

    So, genug vom Querdenker. Ich mag den ‚Wu Wei‘ Gedanken. Und sich auf das Wesentliche konzentrieren ist sicher ein löbliches Ziel. Problem dabei: das Wesentliche verändert sich ständig. Ganz Einfach ist das nicht…

    Liebe Grüße 🙂

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