In den ersten Jahrzehnten der KI-Forschung lag der Schwerpunkt auf grundlegenden Algorithmen, auf symbolischer Logik und Expertensystemen. Andrea Römmele ergänzt: „Mit dem Aufkommen leistungsstarker Computer und der digitalen Verfügbarkeit großer Datenmengen begann die KI-Forschung, von datengetriebenen Ansätzen zu profitieren.“ Maschinelles Lernen, insbesondere Deep-Learning, ermöglichte es algorithmischen Systemen, Muster und komplexe Zusammenhänge in großen Datensätzen zu erkennen und von diesen zu lernen, um Vorhersagen zu treffen oder um ähnliche Daten, Bilder oder Texte zu generieren. Seit Ende 2022 ist KI plötzlich in aller Munde. So wie das iPhone die Digitalisierung und Vernetzung der Welt auf einen Schlag „sichtbar“ machte und den Übergang vom Web 1.0 zum Web 2.0 markierte, brachte ChatGPT eine breiten Öffentlichkeit Künstliche Intelligenz (KI) näher. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.
Die Kosten für einfache Bild- und Videoproduktionen sind enorm gesunken
Andrea Römmele erklärt: „Es wurde ein weltweiter Hype um die Fähigkeiten und Anwendungsmöglichkeiten dieser Art generativer KI ausgelöst. OpenAI und andere Unternehmen haben sich en masse Annotationen und Interaktionen mit Menschen genützt, um die Basismodelle weiter zu trainieren und das sogenannte Alignment-Problem zu verringern, das darin besteht, dass sich ChatGPT und andere künstliche Modelle zur Simulation menschlicher Fähigkeiten zunächst in einer grundsätzlich rationalen, aber für Menschen unnatürlichen Art und Weise verhalten.“
Daher wurde ChatGPT mit Tausenden von menschlichen Annotationen trainiert, um so das Antwortverhalten an die Erwartungen menschlicher Kommunikationspartner anzupassen. Andrea Römmele fügt hinzu: „Auch generative KI-Anwendungen zur Erstellung von Bildern und Videos sind inzwischen für die breite Masse an Nutzern leicht zugänglich und enorm realistisch, was die Kosten für einfache Bild- und Videoproduktionen auf ein Minimum senkt.“
Bei der Share Economy geht es in erster Linie um das Teilen
Mit der Digitalisierung hat sich eine neue wirtschaftliche Struktur etabliert: die Platform Economy. Andrea Römmele erläutert: „Digitale Plattformen dienen als Vermittler zwischen verschiedenen Gruppen von Benutzern, die Transaktionen und Interaktionen erfolgen digital.“ Häufig wird der Begriff der Platform Economy mit dem der Shared Economy gleichgesetzt. Streng genommen handelt es sich unterschiedliche Phänomene. Die Shared Economy – oft auch Collaborative Economy genannt – braucht die Plattform, aber es geht hier in erster Linie um das Teilen.
Diesem Konzept liegen Peer-to-peer-Plattformen zugrunde, die den Austausch von Ressourcen zwischen verschiedenen Nutzern vermöglichen. Im Zentrum steht die Idee einer gemeinsamen und dadurch effizienteren Nutzung vorhandener Ressourcen. Dieser kurze Abriss zeigt, wie sich Digitalisierung, Computertechnik und Computerisierung in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Andrea Römmele stellt fest: „Es ist eine digitale Transformation, die lange Zeit „versteckt“ in der Wissenschaft stattfand, aber vor 30 Jahren begonnen hat, unseren Alltag zu bestimmen.“ Quelle: „Demokratie neu denken“ von Andrea Römmele
Von Hans Klumbies
