Seine Fantasie ist die größte Gabe eines Menschen

Die größte Gabe eines Menschen ist seine Fantasie, sie unterscheidet ihn von allen anderen Lebewesen auf der Welt. Menschen tendieren auch dazu, generalisierte Charakterzuschreibungen auf sich zu beziehen. Rüdiger Maas erklärt: „Grund dafür ist, dass Menschen wollen, dass wünschenswerte Voraussagen oder Zuschreibungen mit den eigenen Vorstellungen von sich übereinstimmen.“ Dieses im Nachgang als „Forer-Effekt“ bezeichnete Phänomen tritt besonders bei Themen auf, die Ängste betreffen, die vielen in der Gesellschaft gemeinsam sind, wie es zum Beispiel bei diversen Finanzkrisen oder während der Corona-Pandemie der Fall war. Die Zuschreibung, jemand verspüre derzeit erhöhten Stress oder fühle sich verängstigt, werden in Zeiten von Corona nur wenige verneinen. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer eines Instituts für Generationenforschung. Zuletzt erschien sein Bestseller „Generation lebensunfähig“.

Jeder pickt sich zurzeit das Beste auf dem Arbeitsmarkt heraus

Ein Volltreffer also für findige Horoskop-Entwickler, die mit ihren Zuschreibungen dann stets ins Schwarze treffen. Rüdiger Maas ergänzt: „Aber auch mit gesellschaftlichen und sozial erwünschten Themen wie Gesundheit, Arbeitsplatz, Einkommen, Beziehung, Kinder, Erfolg et cetera punkten Horoskope bei ihren Anhängern.“ Erstellt mit ungenauen Formulierungen, einfachen Polarisierungen oder Zuschreibungen erlauben sie, dass sich viele Menschen darin wiederfinden. Das Institut für Generationenforschung konnte zwar nur feine Unterschiede zwischen den Generationen X, Y und den Babyboomern feststellen, aber bezogen auf die Generation Z in einigen Bereichen dort recht große Unterschiede.

Wir erleben derzeit alle ein Novum in Deutschland: Es verlassen etwa doppelt so viele Menschen den Arbeitsmarkt wie nachrücken. Rüdiger Maas weiß: „Den Neuankömmlingen stehen doppelt so viele Arbeitsplätze und Ausbildungsoptionen zur Verfügung wie damals jenen, die jetzt den Arbeitsmarkt in Richtung Ruhestand verlassen.“ Die kleine Gruppe von Arbeitnehmern hat damit das große Los gezogen. Das ist kein Generation-Z-Spezifikum, sondern gerade eine Sondersituation auf dem Arbeitsmarkt. Jeder pickt sich zurzeit das Beste heraus.

Die jungen Menschen durften keine andere Welt kennenlernen

Ein weiterer Effekt, den wir miteinbeziehen müssen, ist der Ansturm auf akademische Abschlüsse, die in Rekordgeschwindigkeiten erzielt werden. Rüdiger Maas erläutert: „Mit 18 Abitur, bis 21 den Bachelor. Dann lautet es bei vielen frischgebackenen Alumni: „Hallo, hier bin ich, bereit für einen Teilzeitjob. Meinen Master mache ich im nächsten Jahr, will eh nur ein Jahr lang arbeiten, idealerweise aber nur vier Tage bei vollem Lohn, ich habe schließlich studiert!“

Die Arbeitgeber, die auf die raren Jungen warten, hegen aber andere Vorstellungen. Planmäßig soll alles so weitergehen wie bisher. Rüdiger Maas stellt fest: „Ja, so etwas kann bei allen Beteiligten zu Verwunderung führen, aber auch hier haben wir kein Generation-Z-Spezifikum, sondern einen aktuellen Zeitgeist.“ Alles muss instant sein, wir alle werden ungeduldiger. Der Unterschied aber liegt darin, dass die Jungen keine andere Welt kennenlernen durften. Quelle: „Generation arbeitsunfähig“ von Rüdiger Maas

Von Hans Klumbies