Vorurteile über die Jugend sind so alt wie die Menschheit selbst

Marketingexperten übernahmen eine etwa einhundert Jahre alte Idee eines Generationenbegriffes, der auf den Soziologen und Philosophen Karl Mannheim zurückkehrt. Rüdiger Maas erklärt: „Mannheim schrieb 1928 einen Essay über die Einteilung der Generationen. Er entwarf die Theorie, dass Geburtenjahrgänge einen Einfluss haben könnten, wie Menschen ihre Kindheit und Jugend verbringen.“ Karl Mannheim hatte damals die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten vor allem um die Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg vor Augen. Er dachte dabei jedoch nur an Männer, Frauen spielten in seiner Betrachtungsweise keine Rolle. Damit war Karl Mannheim damals nicht der Einzige in der Wissenschaft. In der Medienlandschaft wird das Konstrukt von Mannheim ohne wirkliches Verständnis nun auf Menschengruppen angewendet. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer eines Instituts für Generationenforschung. Zuletzt erschien sein Bestseller „Generation lebensunfähig“.

Der Begriff „Generation Z“ ist vergleichbar mit einem Schimpfwort

Sternzeichenartig werden anhand des Geburtstags, Verzeihung, anhand des Geburtsjahrs, Menschen Attribute oktroyiert. Rüdiger Maas blickt zurück: „Ein Blick in die Antike zeigt, dass Menschen seit jeher immer wieder mit negativen Beschreibungen konfrontiert werden. Vorurteile über andere Menschen, häufig über die Jugend, sind so alt wie die Menschheit selbst.“ Auch heute gibt es Vorurteile gegenüber Menschen bestimmter Alterskohorten. Vor allem die jeweilige Jugend sieht sich regelmäßig den Zuschreibungen ausgesetzt.

Gegenwärtig ist der Begriff dafür „Generation Z“, nun vergleichbar mit einem Schimpfwort. Wie jedoch bestimmte Vorstellungen über andere Menschen entstehen, ist auch heute häufig unklar. Rüdiger Maas erläutert: „Meist transportiert als festgeschriebene Urteile, kann der Eindruck entstehen, sie wären immer schon da gewesen. Die Zuschreibungen eilen menschlichen Interaktionen voraus und können voreingenommenes Verhalten gegenüber den betreffenden Personen verursachen.“ Die aktuelle populär- und unwissenschaftliche Debatte um die Generation Z schreibt ihr eine Vielzahl von Vorurteilen, Meinungen und Attributen zu.

Es existiert ein wahrer Dschungel an Generationendefinitionen

So unterschiedlich die der Generation Z zugeschriebenen Attribute sein können, so eint sie doch ihr Plädoyer. Rüdiger Maas stellt fest: „Da die Generation Z eine sehr kleine Alterskohorte ist und die jungen Arbeitskräfte dringend auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden, müssen Arbeitsplätze so gestaltet werden, dass sie für die Generation Z attraktiv sind.“ Ironischerweise greift Karl Mannheims Werk „Das Problem der Generationen“ bereits 1928 voraus, was ungefähr 100 Jahre später zum Problem wird: Es existiert ein wahrer Dschungel an Generationendefinitionen.

Mittlerweile hat sich ein riesiges Spannungsfeld entwickelt, das um die Generationenforschung kreist. Rüdiger Maas fügt hinzu: „Die einen kreieren munter Attribute für verschiedene Generationen, die anderen finden unzählige Beweise für die Nicht-Existenz von Generationen und warum die Begriffe Generation X, Y und Z Humbug sind.“ Trotz all der fundamentalen Differenzen stützen sich breite Teile des wissenschaftlichen Feldes als auch Vertreter des populär- und unwissenschaftlichen Feldes auf den Generationenbegriff nach Karl Mannheit. Quelle: „Generation arbeitsunfähig“ von Rüdiger Maas

Von Hans Klumbies