Die Digitalisierung breitete sich in immer mehr Lebensbereichen aus

Ende der 1980er-Jahre zogen die ersten PCs in die Haushalte ein. Rüdiger Maas blickt zurück: „Daten wurden auf sogenannten Floppy Disks gespeichert, die weniger Datenvolumen hatten, als ein simples Smartphone-Foto heute in Anspruch nimmt. Walkman, Discman, CDs, Spielkonsolen oder Gameboys gehörten zum Alltag – der Gameboy hatte übrigens schon eine größere Prozessorleistung als das erste Spaceshuttle.“ Das Internet wurde erfunden und die Digitalisierung nahm Fahrt auf, breitete sich auf immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche der Menschen aus. Erste Diskussionen über den Umgang mit Medien und Daten, vor allem aber über die Gefahren des Videospielkonsums entbrannten in den 1990ern. Sind Kriegsspiele gewaltverherrlichend? Hat es schädliche Folgen, wenn Kinder einen eigenen Computer oder ein eigenes TV-Gerat mit Spielkonsole im Zimmer haben? Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

Der Slogan der Generation Y lautet: „Google weiß alles!“

Die rasante Entwicklung von Technik und Internet sorgte bald für eine neue Generation, geboren zwischen 1980 und 1995: die Generation Y. Rüdiger Maas erklärt: „Aus dem X wurde ein Y für „why“, warum. Sinnhaftigkeit ist das neue Lebenselixier.“ Die Vertreter der Generation Y wuchsen war analog auf, kannten aber schon als Kinder ein Leben, in dem der PC omnipräsent und selbstverständlich war. Das Internet entdeckten sie in der frühen Jugend, um die 2000er, und integrierten es ebenso selbstverständlich in ihren Alltag.

Hinzu kam bald das Smartphone – und jedes Jahr eine neuere, modernere und leistungsfähigere Version. Rüdiger Maas ergänzt: „Das Wunder des World Wide Web war plötzlich portabel – und jederzeit abrufbar. Das Internet bot über erste Suchmaschinen und Wikipedia nicht nur lexikalische Informationen, sondern half inzwischen bei ganz alltäglichen Dingen: 90 Prozent der Generation Y nutzt Google zur Rechtschreibprüfung oder um Wörter oder Begriffe nachzuschlagen.“ Der Slogan dieser Generation: „Google weiß alles!“

Der Wohlstand macht die Sinnsuche überhaupt erst möglich

Heute steht der Generation Y durch das Netz nahezu umfassende Informationsmöglichkeiten offen. Rüdiger Maas erläutert: „Es verwundert also nicht, warum sich die Generation Why auf der Sinnsuche befindet. Althergebrachtes Denken, Gewissheiten und Traditionen gerieten durch die mannigfachen Möglichkeiten erst einmal ins Wanken.“ Hinzu kommt: Die Yler in Deutschland wachsen in einem noch nie da gewesenen Wohlstand auf, der gerade diese Sinnsuche überhaupt möglich macht. Die damaligen jungen Nachwuchskräfte mussten nicht sofort nach der Ausbildung oder dem Studium arbeiten.

Erst mal war Selbstfindung angesagt. Vielleicht mittels eines Praktikums? Oder, noch besser, ein Praktikum im Ausland? Rüdiger Maas fügt hinzu: „Für den Lebenssinn war alles willkommen: Bio, Vegetarismus, Homeoffice oder die Gleichberechtigung, aber bitte nun auf allen hierarchischen Ebenen oder am besten gleich auf der Vorstandsebene.“ Zum ersten Mal gab es junge Arbeitskräfte, die nicht nur neu in eine Firma kamen, sondern auch neue Vorstellungen mitbrachten und ihre Arbeitswelt umgestalten wollten, zumindest sollte die Arbeit zur eigenen Lebenseinstellung passen. Quelle: „Generation lebensunfähig“ von Rüdiger Maas

Von Hans Klumbies