Die ab Mitte der 1960er- bis Mitte der 1970er-Jahre Geborenen erlebten in ihrer Jugend unter anderem das Reaktorunglück von Tschernobyl, den Kalten Krieg und sein Ende, den Fall der Berliner Mauer. Rüdiger Maas erklärt: „Es entstand eine Generation, die das Weltuntergangsszenario rund um den berühmten Roten Kopf zelebrieren musste, den entweder die USA oder Russland beziehungsweise die UdSSR betätigen und damit einen Atomkrieg beginnen könnten.“ Ein Kopfdruck, und die Erde ist Geschichte. Die Vorstellung prägte viele Filme und die Popkultur. No-Future-Bewegungen entstanden. Die Antwort auf die Neue Deutsche Welle folgten die Dunkle Welle, später auch Gothic genannt. Auf die Hippies folgten die Punks, auf Pop der Schlager und Heavy Metal, später Grunge, Westcoast-Punk, Rap und Hip-Hop. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.
Das Kollektiv geriert zum Schimpfwort
Ebenso salonfähig wurden Rave, Hardcorce und die Vermischung von allem, was diese Generation schlicht Crossover nannte. Rüdiger Maas fügt hinzu: „Menschen mit einer hohen Musiktoleranz hörten Crossover, der Rest fand sich in einer eigenen Nische wieder. Es gab für alles und jeden eine Nische, seine Subkultur und eine Abgrenzung von dieser.“ Ja, es gab eine Gruppe, zu der man gehörte, und gleichzeitig eine Gruppe, die man schlecht fand: Die Rocker fanden die Popper blöd. Die Rapper die Metaller. Die Abgrenzung war Teil der eigenen Identität.
Und das Wichtigste: Es wurde nicht die Musik der Eltern gehört. Rüdiger Maas ergänzt: „Umgekehrt war es normal, dass die Eltern die Musik und die Mode der Kinder nicht mochten. Individualität und Abgrenzung zur Masse kann als das oberste Gebot bezeichnet werden. Das Kollektiv geriet zum Schimpfwort.“ Ein Phänomen, das man in dieser Ausprägung heute nicht mehr vorfindet: Kinder und Eltern hören heute in der Regel die gleiche Musik und tragen ähnliche Mode.
Die Generation Z ist sehr stark von der Meinung ihrer Eltern abhängig
Schließlich ging es allen so gut, dass sich jeder seine Nische leisten konnte. Der Führerschein gehörte ebenso dazu, oftmals wurde in Westdeutschland ein VW Gold als erstes Fahrzeug gekauft. Rüdiger Maas stellt fest: „Die Menschen dieser Jahrgänge werden deshalb auch als Generation Golf bezeichnet. Der Erziehungsweg, den die Babyboomer schon eingeschlagen hatten, wurde weiterverfolgt. Denn die Abgrenzung fand in der Jugendphase statt, aber nicht als sie selbst Eltern wurden.“
Auch die Xler taten und tuen alles dafür, dass es ihnen Kindern besser geht. Diesen wiederum ist es wichtig, eine emotionale Verbindung zu ihren Eltern aufzubauen. Rüdiger Maas weiß: „Die Kinder der Xler sind in der Regel die Angehörigen der Generation Z. Die Generation Z ist sehr stark von der Meinung ihrer Eltern abhängig. So stark, wie keine Generation zuvor.“ Das geht so weit, dass Eltern mitentscheiden, welcher Studiengang und -ort für das Kind gewählt werden soll oder mit zum Bewerbungsgespräch fahren. Quelle: „Generation lebensunfähig“ von Rüdiger Maas
Von Hans Klumbies
