Charles Sanders Peirce bringt den Pragmatismus in Gang, indem er bei Alexander Bains Definition des Glaubens als einer Regel beziehungsweise einer Gewohnheit des Handelns ansetzt. Von dieser Definition ausgehend machten Peirce folgendes geltend. Nämlich, dass die Aufgabe der Forschung nicht in der Darstellung der Wirklichkeit liege, sondern dass sie die Möglichkeit eröffnet, wirksamer zu handeln. Richard Rorty stellt fest: „Das Bedeutet, dass man sich von der „Abbild-Theorie“ der Erkenntnis lossagt, die seit René Descartes eine die Philosophie beherrschende Rolle gespielt hat.“ Und man verzichtet insbesondere auf die Vorstellung von der Erkenntnis, die nicht durch Zeichen vermittelt ist. Charles Sanders Peirce gehört zu den ersten Philosophen, der die Fähigkeit zum Zeichengebrauch als wesentliches Merkmal des Denkens hinstellte. Richard Rorty (1931 – 2007) war einer der bedeutendsten Philosophen seiner Generation. Zuletzt lehrte er Vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University.
William James und John Dewey bewundern Charles Sanders Peirce
Charles Sanders Peirce vertritt eine fundierungsfeindliche, kohärenztheoretische und holistische Auffassung des Wesens der Forschung. Allerdings ist er nicht der Ansicht, Gott sei eine alles umfassende, unzeitliche und mit der Realität identische Erfahrung. Richard Rorty ergänzt: „Vielmehr fasst Peirce als guter Darwinianer die Welt als etwas auf, was in Entwicklung begriffen ist. Sein Gott ist ein endlicher Gott, der irgendwie mit einem evolutionären Vorgang identisch ist.“ Dies bezeichnet Charles Sanders Peirce als „Entwicklung der Drittheit“.
Dieser kuriose Ausdruck bezeichnet die allmähliche Verknüpfung von allem mit allem anderen durch dreistellige Beziehungen. Dabei fasst Charles Sanders Peirce alle dreistelligen Beziehungen als Zeichen-Beziehungen auf. Seine Sprachphilosophie ist mit einer quasiidealistischen Metaphysik verknüpft. William James wie John Dewey bewundern Peirce und haben ebenso wie er das Gefühl, die Philosophie müsse mit Charles Darwin in Reine kommen.
Das „Wahre“ ist nur ein Hilfsmittel des Denkens
Richard Rorty weiß: „Sie sind jedoch vernünftig genug, seiner Metaphysik der Drittheit nur wenig Beachtung zu schenken.“ Stattdessen konzentrieren sie sich auf die zutiefst anticartesianischen Implikationen von Peirce` Entfaltung der antirepräsentationalistischen Einsicht. Sie entwickeln eine nicht repräsentationalistisch ausgerichtete Theorie des Erwerbs und der Überprüfung von Überzeugungen. Und diese Theorie gipfelt in der These von William James, das „Wahre“ sein nur ein „Hilfsmittel unseres Denkens“.
William James und John Dewey wollten die Philosophie mit Charles Darwin in Einklang bringen. Deshalb stellten sie das menschliche Streben nach der Wahrheit und dem Guten auf die gleiche Ebene wie die Aktivitäten der niedrigeren Tiere. Also beförderten sie die Entwicklung der Kultur auf die gleiche Ebene wie die biologische Evolution. Richard Rorty betont: „Alle drei Urväter des Pragmatismus verbinden ein naturalistisches, darwinistisches Menschenbild mit einem gewissen Misstrauen gegenüber den Problemen, die René Descartes, David Hume und Immanuel Kant der Philosophie vermacht hatten.“ Quelle: „Pragmatismus als Antiautoritarismus“ von Richard Rorty
Von Hans Klumbies
