Wer reich ist, besitzt mehr als andere. Aber worin besteht dieser Besitz und warum macht er sozial interessant? Mitja Back fängt bei der Beantwortung der Frage von ganz vorn an: „In der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte zeigte sich der statusbringende Reichtum im Besitz von greifbaren Dingen: Mehr Vorräte und eine robustere Behausung zu haben, war das direkt mit sozialer Anerkennung verbunden. Weil das evolutionär gesprochen „fit“ machte, das Überleben sicherte.“ Bereits in der Tierwelt sieht man, dass Fitness auch sehr indirekt erkannt werden kann. Weibliche Seidenlaubenvögel zum Beispiel wählen ihre Partner danach aus, wie beeindruckend die vom Männchen gebauten Laube ist. Und das heißt nicht nur, wie stabil sie gebaut, sondern vor allem, wie „blau“ sie dekoriert ist. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
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Passende Bücher bei Amazon findenIm 7. Jahrhundert v. Chr. wurden in Kleinasien die ersten Münzen geprägt
Dieser indirekte Weg zum Status funktioniert bei Menschen noch viel deutlicher. Mitja Back erläutert: „Menschen haben ein, im Vergleich zu Tieren, besonders starkes Interessen an Dingen entwickelt, die keinen unmittelbaren Überlebensvorteil bringen, aber selten sind und schön aussehen: funkelnde Steine, schimmernde Federn, leuchtende Muscheln.“ Wer diese Dinge gewinnen und verteidigen konnte, war reicher. Und damit anerkannter. Apropos Muscheln: Vor etwa 4.000 Jahren haben Menschen begonnen, die Messung von Reichtum zu vereinheitlichen, um Güter besser tauschen zu können.
Vor allem die handlichen Kaurimuscheln, die eigentlich Schneckengehäuse sind, waren als Tauscheinheit sehr beliebt. Im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden dann in Kleinasien die ersten Münzen geprägt. Mitja Back ergänzt: „Mit dem Papiergeld schließlich wurde der Unterschied zwischen dem materiellen Wert eines Zahlungsmittels – ein Fetzen Papier – und dessen realen Wert – eine Mahlzeit, ein Fahrrad, eine Handwerksleistung – immer größer.“
Menschen sind unfassbar fasziniert vom Geld
Manche der heute noch im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel imitieren die Faszination für das Schillernde. Mitja Back erklärt: „So die gold-silbern glänzenden Euro-Münzen oder die fluoreszierenden Euro-Scheine. Aktien und Bitcoins hingegen funkeln nur noch in der Vorstellung.“ Dafür umso heller: Menschen sind unfassbar fasziniert vom Geld. Und ganz besonders trifft das auf Narzissten zu. Woran liegt diese Faszination des Geldes und wieso sind vor allem Narzissten davon angetan?
Den Wert, den eine Kauri, ein Geldschein oder ein Bitcoin haben, beruht auf einer sozialen Vereinbarung. Wer sich etwas leisten kann, das ist auch das Ergebnis einer gemeinsamen sozialen Vereinbarung. Mitja Back fügt hinzu: „Genauso, wie wir gemeinsam entscheiden, wer in einer Gruppe das Sagen hat. Reichtum ist sozusagen sozialer Status in Geldeinheiten.“ Und weil Besitz und Geld so unglaublich ungleich verteilt sein darf und nach oben keine Grenzen gesetzt sind, erlaubt Reichtum es, mit dem eigenen Status in anderen Sphären zu schweben. Quelle: „Ich! Die Kraft des Narzissmus“ von Mitja Back
Von Hans Klumbies
