Randolph M. Nesse schreibt: „Die üblichen Fragen in der Medizin gleichen denen, die ein Mechaniker stellen würde: Wie funktioniert das System „Körper“? Was ist defekt? Warum ist es defekt? Wie lässt es sich reparieren?“ Das sind proximate Fragen, die zu klären versuchen wie körpereigene Mechanismen funktionieren und wie sie sich bei Gesunden und Kranken unterscheiden. Welche Mechanismen im Immunsystem verursachen Multiple Sklerose? Welche Gehirnanomalien sind für Schizophrenie verantwortlich? Die Antworten auf diese Fragen bringen uns dem wichtigsten Ziel näher: Ursachen zu finden und Probleme zu beheben. Sie haben einen großen Beitrag zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit geleistet. Professor Randolph M. Nesse ist Mitbegründer der Evolutionären Medizin. Seit 2014 lehrt er and er University of Arizona, wo er als Gründungsmitglied und Direktor das Center for Evolution and Medicine leitet.
Passende Literatur zu diesem Thema:
Aktuelle Angebote zu "Das System Körper ist krankheitsanfällig"
Passende Bücher bei Amazon finden„Das Problem des Bösen“ hat sich als schwer fassbar erwiesen
Würde die Medizin nur eine Hälfte der Biologie nutzen, wäre das die Hälfte mit den größten praktischen Vorteilen. Die andere, die evolutionäre Hälfte der Biologie geht Fragen aus der Perspektive von Ingenieurinnen oder Designern nach: Wie wurde der Körper zu dem, was er heute ist? Welche Selektionskräfte haben dieses Merkmal begünstigt? Wie beeinflussen Variationen den Fortpflanzungserfolg? Welche Trade-offs, sprich Kosten-Nutzen-Abwägungen beziehungsweise Kompromisse, begrenzen ihre Verlässlichkeit?
In ihrer allgemeinen Form lautet die Frage: Warum hat die natürliche Selektion unseren Körper mit Merkmalen ausgestattet, die uns krankheitsanfällig machen? Randolph M. Nesse ergänzt: „Die Frage ist neu, kommt aber nahe an eine der ältesten Fragen der Menschheit heran: Warum gibt es so viel Leid im Leben? Sie wird seit Jahrtausenden in religiösen und philosophischen Kontexten diskutiert, da sich die Antworten, die als „Das Problem des Bösen“ in das kollektive Gedächtnis eingegangen sind, als schwer fassbar erwiesen haben.“
Das Böse und Leiden in der Welt ist immer noch ein Rätsel
Der griechische Philosoph Epikur erkannte bereits von 2400 Jahren, wie trickreich die Frage ist, und der schottische Philosoph David Hume griff seine Gedanken auf und wird damit oft zitiert: „Ist Gott gewillt, das Böse zu verhindern, aber nicht fähig? Dann ist er nicht allmächtig. Ist er fähig, aber nicht gewillt? Dann ist er boshaft. Ist er sowohl gewillt als auch fähig? Woher kommt dann das Böse? Ist er weder fähig noch gewillt? Warum nennen wir ihn dann Gott?“
Seitdem haben sich Philosophen und Theologen, vor allem diejenigen, die in der abrahamitischen Tradition verwurzelt sind, an dem Problem abgearbeitet, das Böse und das Leiden in der Welt zu erklären. Randolph M. Nesse erläutert: „Mögliche Erklärungsansätze werden unter der Bezeichnung „Theodizee“ zusammengefasst. Es gibt viele dieser Art, aber keine ist vollauf zufriedenstellend.“ Das Problem ist auch im Buddhismus von zentraler Bedeutung; hier bilden die Edlen Wahrheiten die Grundlage der Lehre. Quelle: „Gute Gründe für schlechte Gefühle“ von Randolph M. Nesse
Von Hans Klumbies
