Hans-Otto Thomashoff schreibt: „Politisch geschulte Redner setzen am Gefühl an und suggerieren uns, dass sie einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte haben. Durchschauen wir ihre Strategie nicht, dann unterliegen wir dem regressiven Sog und vertrauen ihnen aus dem Bauch heraus.“ Doch nicht nur das. Zugleich prägt sich uns besonders gut ein, was sie sagen. Denn Gefühle heben das Wesentliche hervor. Sie sind das Schmieröl für das Lernen, weil sich in der Evolution bewährt hat, sich besonders gut einzuprägen, was intensiv gefühlsbesetzt ist – Gefahr oder die Aussicht auf eine besondere Belohnung wie gutes Essen oder Sex. Wahlkampfreden von Politikern, besonders vom Rand des politischen Spektrum, sind ein offenes Buch über Manipulationstechniken. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.
Der Sog in die Massenmanipulation läuft automatisch ab
Weil viele ihrer Argumente nur bedingt mehrheitsfähig sind, müssen sie sie durch begleitende Emotionen und Kontexte so verkleiden, dass sie plausibel erscheinen. Wer schon ängstlich oder wütend ist, wird einem Redner beipflichten, der diese Gefühle in ihm anspricht. Hans-Otto Thomashoff erklärt: „Im Zusammensein mit Gleichgesinnten schaukeln sich durch die Resonanz der Spiegelneuronen die Gefühle weiter hoch, bis der Verstand ganz in den Hintergrund gedrängt wird und die Zuhörer für jedes Argument zu haben sind.“
Dieser automatisch ablaufende Sog in die Massenmanipulation lässt sich noch beschleunigen, indem Argumente simplifiziert werden und ständige Wiederholung den Verstand zermürbt. Hans-Otto Thomashoff weiß: „Das führt zur Gewöhnung und schließlich in der emotionalen Gleichschaltung zur Akzeptanz. Auch Zeitdruck verstärkt die Regression.“ Wo real oder vermeintlich unmittelbares Handeln erforderlich ist, weil sonst die Katastrophe droht, wird aus dem Zeitdruck Gefühlsdruck, und der ist unangenehm.
Eine Achillesferse unserer Psyche sind Schmeicheleien
Wir wollen ihn loswerden und sind deshalb gerne bereit, die einfachen Lösungen anzunehmen, die uns angeboten werden, und hinterfragen gar nicht mehr, ob die Lösungen wirklich zum versprochenen Ergebnis führen. Hans-Otto Thomashoff nennt Beispiele: „Ob es überhaupt stimmt, dass wir wieder Arbeit finden, wenn keine Flüchtlinge mehr ins Land gelassen werden. Ob es Gerechtigkeit geben wird, wenn die Großkonzerne verstaatlicht sind. Oder ob es notwendig ist, Bürgerrechte außer Kraft zu setzen, um gegen das Coronavirus vorzugehen.“
Besonders empfänglich für einfache Lösungsvorschläge sind wir, wenn sie schon bestehende Gefühle in uns ansprechen wie Neid oder Angst. Meist reicht schon die Möglichkeit, dass eine Gefahr existieren könnte, um uns empfänglich zu machen für Maßnahmen zu unserem Schutz. Hans-Otto Thomashoff stellt fest: „Eine weitere Achillesferse unserer Psyche sind Schmeicheleien. Lob hört jeder gern, doch er bezahlt dafür mit Sympathie dem Lobenden gegenüber – und lässt sich dann von ihm das eine oder andere einreden.“ Quelle: „Mehr Hirn in die Politik“ von Hans-Otto Thomashoff
Von Hans Klumbies
