Die Sonderausgabe der Philosophiemagazins „Impulse für 2026“ enthält wie jedes Jahr ausgesuchte Essays und Gespräche zu den großen Fragen unserer Zeit. Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas warnt in seinem Beitrag vor einer Rhetorik der Verfeindung und tritt für die Freundschaft mit unseren Nachbarn ein. Gleichzeitig kritisiert er die Kurzsichtigkeit der europäische Politik. Es ist für Jürgen Habermas schwer zu verstehen, warum die führenden Politiker Europas, insbesondere der Bundesrepublik, nicht vorausgesehen haben ober mindestens: warum sie sich blind gestellt haben gegenüber einer in den USA schon seit Längeren angebahnten Erschütterung des demokratischen Systems. Ebenso irritierend war die öffentliche Unempfindlichkeit für den Ausbruch militärischer Gewalt in Europa. Verschwunden schien jedes Gefühl für die abschreckende Gewalt von Kriegen und für die Tatsache, dass Kriege leicht entstehen, aber schwer zu beenden sind.
Cora Diamond fordert einen respektvollen Umgang mit Tieren
Thomas Chatterton Williams sagt, um zu verstehen, warum die gesellschaftliche Haltung nach rechts driftet, müsse man den Sommer 2020 genau gebrachten. Denn es war ein Ausnahmejahr, in dem drei Krisen zusammentrafen: die Pandemie, die Proteste nach dem Tod von George Floyd und das Gefühl, dass die Demokratie auf der Kippe steht, sollte Donald Trump erneut ins Weiße Haus einziehen. Auf die Frage, was man aus dem Sommer 2020 lernen kann, antwortet Thomas Chatterton Williams: „Dass der Liberalismus das beste Modell ist, um Würde, Freiheit und Wohlstand zu sichern. Und doch vergessen wir das regelmäßig.“
Die Position des Menschen in der Natur ist seit jeher eine philosophische Frage, vielleicht sogar den Ursprung allen Denkens. Cora Diamond wurde seit den 1960er-Jahren berühmt für ihre Interpretation der Philosophie von Ludwig Wittgenstein. Anders als Wittgenstein hat sie sich den Fragen der Tierethik und Tierrechte zugewandt. Cora Diamond kritisiert: „Wenn man einige Tiere den Menschen angleicht, degradiert man einige Menschen.“ Man kann auf dem moralischem Unterschied zwischen Mensch und Tier bestehen und gleichzeitig auf einem respektvollen Umgang mit Tieren drängen, wie Cora Diamond es versucht.
Die Radikalität kann uns aus dem Jammertal befreien
Der Philosoph Rupert Read bezeichnet die Gegenwart als Chaoszän. Die Klimakrise ist da. Um in diese gefährlichen und labilen Zeit gut weiterleben zu können, müssen wir resiliente Gemeinschaften bilden. Allerdings macht die sogenannte Trittbrettfahrer-Struktur die Aufgabe katastrophal schwierig, mit der Klimaveränderung umzugehen. Rupert Read stellt fest: „Allzu groß ist die Versuchung, sich auf kurzsichtige, selbstsüchtige Haltungen zurückzuziehen und jegliche Verantwortung von sich zu weisen. Damit jedoch manövrieren wir uns in eine grauenhafte Zwangslage. Und wir sollten uns ehrlich bewusst machen, wie gering die Chancen sind, dass wir diese Zwangslage mit irgendeiner Art von intakter Zivilisation überstehen.“
Die Philosophin Mirjam Schaub verfasst ihn ihrem Beitrag eine Manifest über Radikalität. Sie schreibt: „Radikalität gilt als anstößig und beschämend, überzogen und fehlgeleitet. Aber philosophisch besitzt sie einen unleugbaren Reiz: Sie tritt an, um die Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schließen.“ Radikal ist ebenso der Wille, die Bereitschaft und der Glaube, einen Unterschied zu machen, wenn die Welt aus den Fugen ist. Über alle Kulturen, Zeiten und Gesellschaften hinweg bleibt sie ein Stachel im Fleisch des „Ich kann nicht, ich bin zu schwach“. Mitten im Jammertal zeigt sie uns, wo der Hammer hängt. Always.
Von Hans Klumbies
