Chefredakteurin Jana Glaese schreibt in ihrem Editorial: „Die neue Sonderausgabe des Philosophie Magazin sucht Antworten bei jenen Denkerinnen und Denkern, die der Welt und ihren Krisen seit Jahrzehnten philosophierend begegnen.“ Die Wirkungsfelder dieser Philosophinnen und Philosophen reichen von Theorien des Kolonialismus, des Feminismus und der Demokratie über Tierethik und Ökologie bis hin zur Erforschung des Bewusstseins und der Spiritualität. Peter Sloterdijks philosophisches Werk widmet sich dem Kleinen, Feinen und Fragilen, beseelten Räumen und gesellschaftlichen Stimmungen. Offenbar bekommt man zwar das Sein nicht zu fassen, aber das darüberliegende Geflecht aus Stimmungen und Motivationen – den eigentlichen Stoff der jüngeren Weltgeschichte. Peter Sloterdijk hat sein Hauptwerk „Sphären“ gelegentlich als Versuch über Sein und Raum bezeichnet. Die Existenz wäre seiner Meinung nach nicht nur als Produkt der Geschichtlichkeit zu denken, sondern mehr noch in Räumlichkeit. Diese manifestiert sich in Beziehungen zwischen Personen, in Weltbildern, in Architektur, Design und Klangausbreitung.
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Passende Bücher bei Amazon findenJürgen Habermas entwickelt die „Theorie des kommunikativen Handelns“
Zu den Weltstars der Philosophie zählt ohne Zweifel Jürgen Habermas. In seinem Hauptwerk legt er die „Theorie des kommunikativen Handelns“ vor. Die Antwort auf die Frage, woher wir als Intellektuelle die Kriterien für Gesellschaftskritik nehmen, enthält nun eine verblüffend einfache und weitrechende Antwort. Wir entnehmen die Kriterien schlichtweg aus der Sprache, genauer: dem gewöhnlichen Vorgang des Miteinanderredens. Der Maßstab eines guten Zusammenlebens, feierlich gesagt: der humanistischen Utopie, liegt vor aller unser Augen in dem, was wir tagtäglich tun, wenn wir ernsthaft ein Gespräch eingehen.
Tu Weiming gehört zu den wichtigsten Neukonfuzianern der Gegenwart. Vertraut mit der geistigen Tradition Chinas und des Westens, schlägt sein Denken eine Brücke zwischen den Welten. Tu Weiming erklärt: „Der Konfuzianismus wurde im 20. Jahrhundert vielfach attackiert, an den Rand gedrängt oder missverstanden, aber in der gelebten Erfahrung der einfachen Menschen ist er nie gänzlich verschwunden; er war immer da, als eine zivile Religion, ein Ensemble widerstandsfähiger, ethischer Praktiken.“
Die wirkmächtigste Ausformung des Utilitarismus stammt von Peter Singer
Wenige Philosophen haben mit ihrem Werk einen so unmittelbaren, spürbaren Effekt in der Welt wie Peter Singer. Er revolutionierte das öffentliche Verständnis von Tierschutz, Entwicklungsarbeit und Armutsbekämpfung. Leid vermindern und Wohlbefinden mehren: Das ist der Grundsatz des Utilitarismus. Seine wirkmächtigste und kontroverseste Ausformulierung für die Gegenwart stammt von Peter Singer. Peter Singer sagt: „Was wir hauptsächlich tun können, ist das Risiko zu senken, dass unsere Spezies ausstirbt.“ Das Nachdenken über die Zukunft sollte den Effektiven Altruismus nicht dominieren. Es gibt hier und jetzt viel zu tun.
Donna Haraway inspirierte Generationen dazu, neue, kreative Arten der Koexistenz von Mensch, Natur und Technik zu entwerfen. Was steckt philosophisch hinter ihrer Denkfigur des Cyborgs? Donna Haraway antwortet: „Philosophisch sah ich die Möglichkeit, die Figur des Cyborgs als Metapher für die Überwindung überkommener metaphysischer Dualismen einzusetzen: des Dualismus zwischen Mensch und Maschine, zwischen Biologischem und Mechanischem, zwischen Mann und Frau und so weiter.“
Von Hans Klumbies
