Baruch de Spinoza lehrt den Pantheismus

Die Idee, das die Liebe weniger ein individuelles Gefühl, ein allein menschlichen Prinzip oder so sei, ist alt. Am prominentesten hat das der Philosoph Baruch de Spinoza dargestellt. Peter Trawny fasst es kurz und daher grob zusammen: „Spinoza erklärt, dass es nur eine Substanz, eine Natur, einen Gott, überhaupt nur eines geben könne. Da darum Gott und Natur, das heißt die Gesamtheit aller Dinge plus ihrem Ursprung, nicht zwei sein können, ist Gott Natur, Natur Gott.“ Man hat das dann Pantheismus genannt und als eine Lehre, dass Alles Gott und Gott Alles sei, verdammt und gefeiert. Für einen Christen des 17. Jahrhunderts war das gelinde gesagt mehr als unglaubwürdig. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.

Gott kann nichts anderes sein als Liebe

Baruch de Spinoza erweist sich allerdings als ein echter Philosoph, als ein Liebhaber der Liebe. Er erläutert, dass die Erkenntnis der Natur, ihre Erforschung, jene Liebe sei, mit der sich Gott selbst liebe. Der Gedanke ist für Peter Trawny leicht zu erklären: Der denkende Mensch gehört ja selber zu jener einen Substanz oder Natur. Diese Natur ist aber nichts anderes als der eine Gott. Daher erkennt sich die Natur oder Gott im menschlichen Denken selbst.

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Ein übrigens eher intuitives als rationales Erkennen dieses göttlichen Seins ist die schönste Liebe. Denn was sollte Gott auch anderes sein als Liebe? Das ist der sogenannte amor Dei intellectualis, eine verstandesmäßige Liebe Gottes. Diese vermag alles zu durchdringen, was es gibt, weil sie überall Gott findet. Es gibt keinen Grund, die persönliche Liebe zur Natur zu beschränken. Das Wunder des Entstehens und Vergehens ist von Alpha bis Omega liebenswürdig.

In der Liebe ist die Intimität einzigartig

Es gibt in jeder Liebe den Moment, in dem die Grenze zum Körper des Anderen überschritten wird. Man hatte sich schon die Hände geschüttelt, sich zur Begrüßung und Abschied umarmt und in die Augen geblickt. Doch dann spürt man die Haut, die Lippen, die Zunge. Es beginnt eine einzigartige Intimität, Nähe, in der ein Mensch beinahe ganz angekommen ist. Diese Nähe, ihre Erfahrung, ruft etwas hervor, das zuerst und zuletzt unsagbar bleibt.

Wer darauf achtet, wird merken, dass es mehr ist als ein bloßes Gefühl. Jean-Paul Sartre hat in seinem Klassiker „Das Sein und das Nichts“ eine Dramaturgie des Berührens vom ersten Blick bis zum Koitus auf in der Philosophie einzigartige Weise beschrieben. Das Ganze endet in einer „doppelten wechselseitigen Fleischwerdung“. Schon mit dem Streicheln ist der Geliebte nicht der Körper, der er vorher war: Er wird Fleisch, ein Körper der begehrt und dieses Begehren zeigt. Quelle: „Philosophie der Liebe“ von Peter Trawny

Von Hans Klumbies