Die Kunst von Paul Klee hat dem fernen Osten viel zu verdanken

Schon im Jahr 1900, als Paul Klee als Auftragswerk eine Aarelandschaft auf einen fünfteiligen Wandschirm malte, ist in dieser Komposition der Einfluss fernöstlicher Kunst zu spüren. Dies bedeutet vor allem, dass die Höhe hier gleichzeitig der Tiefe des Raumes entspricht. In der frühen Entwicklung der Zeichnungen Paul Klees spielt die Kunst des japanischen Holzschnitts eine nicht zu unterschätzende Rolle. Osamu Okuda nennt ein Beispiel: „Für die Figuren auf dem Blatt „drei auf einem Bein tanzende Akte“ diente Klee eine Akrobatenstellung von Hokusai als Inspiration. Klee verfremdete die heiteren asiatischen Körperkunststücke zu skurrilen Tanzszenen mit abnormen Verrenkungseinlagen, versuchte dabei aber, die sparsame, stilisierte Darstellungsweise des fernöstlichen Künstlers zu bewahren.“ Auch die asiatische Tuschmalerei, mit der sich Paul Klee zwischen 1910 und 1914 beschäftigte, diente ihm in einigen seiner Bilder als Quelle neuer Gestaltungsmöglichkeiten.  

Paul Klee verwendet wiederholt Japanpapier für seine farbigen Zeichnungen und Werke

In den Aquarellen dieser Jahre bezieht sich Paul Klee auf gewisse Motive, die er in fernöstlichen Bildern gesehen hatte. Er verwendet dabei eine Technik, die der ostasiatischen Tuschmalerei sehr nahe kommt. Paul Klee schreibt in seinem Tagebuch: „Aquarelle nass in nass auf wasserbestäubtes Papier. Schnelle nervöse Arbeit mit einem bestimmten Klang, dessen Teile über das Ganze verspritzt.“ Diese Malweise is laut Osamu Okuda mit der „Haboku“-Technik der Tuschmalerei vergleichbar, bei der dunkle Tusche auf eine helle, verdünnte Tuschschicht aufgetragen wird, während diese noch feucht ist.

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Osama Okuda macht auch darauf aufmerksam, dass Paul Klee wiederholt Japanpapier als Bildträger seiner farbigen Zeichnungen und Werke verwendet hat, was bisher kaum bekannt ist. Zwischen den Jahren 1911 und 1940 entstanden 173 Werke auf Japanpapier. Einmal benutze Paul Klee sogar „japanisches Holzschnittpapier“, und zwar für das Aquarell „Farbengewächs“ aus dem Jahr 1915. Das Japanpapier ermöglicht insbesondere beim Aquarellieren einmalige und zufällige Effekte, wie etwa zarte Farblavierungen und Farbdehnungen.

Die Kunstwelt Paul Klees spricht auch heute noch in Japan ein breites Publikum an

Auch die fernöstliche Kalligraphie kannte Paul Klee aus den verschiedensten Quellen. Bei seinen eigenen Arbeiten verwendete er dazu oft breitere Pinsel, um den Linienduktus der Hand noch effektvoller aufs Papier zu setzen. Paul Klee formuliert sein Ziel wie folgt: Was man auszudrücken hat, sollte man in möglichster Vollkommenheit tun, aber des dennoch mit dem geringsten Mitteln darstellen. In seinen kalligraphisch-zeichnerischen Experimenten zeigt sich, wie Paul Klee gleich einem chinesischen Meister die Helldunkel-Nuancen und Variationen der Linienbreite in einem Pinselstrich hervorzubringen vermochte.

Im letzten Drittel des prächtigen Bildbandes beschäftigen sich verschiedene Künstler mit Paul Klees Rezeption im heutigen Japan. Die japanische Malerin Leiko Ikemura schreibt über Paul Klee: „Man sollte seine Werke nicht unterschätzen, indem man nur ihr kleines Format oder ihre Ornamenthaftigkeit sieht. Klee ist auch ein Analytiker. Seine Bilder sind präzis und ihr Inhalt ist verdichtet. Er suchte eine Freiheit des Geistes und nicht die der Zerstörung.“  Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die vielseitige Kunstwelt Paul Klees über einzelne Kunstgattungen hinaus die unterschiedlichsten japanischen Künstler, aber auch ein breites japanisches Publikum, bis heute anspricht.

Paul Klee und der ferne Osten
Vom Japonismus zu Zen
Konzept und Redaktion: Osamu Okuda, Marie Kakinuma
Herausgeber: Zentrum Paul Klee in Bern und Museum für Ostasiatische Kunst in Köln
Verlag: Scheidegger & Spiess
Gebundene Ausgabe: 151 Seiten, Auflage: 2012
ISBN: 978-3-85881-373-2,  38,00 Euro
Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Die Kunst von Paul Klee hat dem fernen Osten viel zu verdanken

  • 4. März 2014 um 11:06
    Permalink

    Es ist echt toll, dass Klee schon damals, als Japan noch nicht so populär war, wie es heute ist, eine Inspiration darin finden konnte und verschiedene Techniken der japanischen Malerei verbindete. Und dass seine Kunst in Japan geschätzt wird.

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