Der Vater der modernen Malerei Paul Cézanne

Paul Cézanne wurde am 19. Januar 1839 in Aix-en-Provence, einer Kreisstadt, die dreißig Kilometer von Marseille entfernt liegt, geboren. Von 1852 bis 1858 besuchte Paul Cézanne das Collège Bourbon, eine angesehene Internatsschule in Aix, wo er sich mit Emile Zola anfreundete. Nach dem Urteil seines Zeichenlehrers war er im Zeichnen ein völliger Versager, in Latein und Griechisch dagegen erzielte er hervorragende Leistungen. Nachdem er das Abitur bestanden hatte, besuchte Paul Cézanne Zeichenkurse bei Joseph Gilbert, dem Konservator des Museums von Aix. Für den Wunsch des jungen Paul, Maler zu werden, zeigte sein Vater, der in Aix eine Bank gegründet hatte, keinerlei Verständnis.

Paul Cézanne verzweifelt an seiner Berufung als Maler

Er sah in seinem Sohn den zukünftigen Nachfolger in seiner Bank und schickte ihn zum Jurastudium auf die Universität von Aix. Trotz der Furcht vor seinem Vater bestand Paul darauf Maler zu werden und begann im April 1861 sein Malstudium an der Académie Suisse in Paris. In Paris lernte Paul Cézanne neben anderen später berühmten Malern Camille Pissaro kennen, den er ganz besonders schätzte.

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Camille Pissarro war einige Jahre vor Paul Cézanne nach Paris gekommen. Beide verband eine lebenslange Freundschaft. Schon nach wenigen Monaten Malunterricht zweifelte Paul Cézanne zum ersten Mal an seiner Berufung. Dieser Selbstzweifel sollte ihn sein ganzes Leben lang verfolgen und quälen. 1861 kehrte er nach Aix zurück, wo er in der Bank seines Vaters zu arbeiten begann.

Paul Cézanne wird von der Staatlichen Kunstschule abgewiesen

Doch seinen Entschluss Maler zu werden, gab Paul Cézanne nicht auf. In seiner Freizeit malte er unermüdlich. Aus dieser Zeit stammen die Wandmalereien in dem Landgut „Jas-de-Bouffan“, das der Vater im Jahre 1859 gekauft hatte. Später sollte Paul Cézanne seine meisten Motive für seine Gemälde in der ihm so vertrauten Landschaft finden. Er war davon überzeugt, dass er eine Landschaft nur gut malen könne, wenn er zuerst ihre geologische Grundstruktur kennen gelernt habe.

Im November 1862 ging Paul Cézanne zum zweiten Mal nach Paris. Nach erneuten Studien in der Académie Suisse bewarb er sich um die Aufnahme an der Staatlichen Kunstschule „Ecole des Beaux-Arts“. Paul Cézanne schaffte die Aufnahmeprüfung nicht und wurde mit folgender Begründung abgewiesen: „Eine koloristische Begabung, aber unglücklicherweise unbeherrscht.“ Nun musste er seinen Weg als Maler alleine beschreiten und finden.

Paul Cézanne kopiert die alten Meister im Louvre

Paul Cézanne ging häufig in den Louvre, um die alten Meister zu kopieren. Er sah den Louvre als ein gutes Lehrbuch an, das allerdings immer nur Mittler sein dürfe. Das wahre und gewaltige Studium, das es für ihn zu meistern galt, war die Mannigfaltigkeit der Natur. In seinem Tagebuch schrieb er dazu folgendes: „Man muss durch die Natur zum Louvre kommen, und durch den Louvre zur Natur zurück.“ Seine Vorbilder in jener Zeit waren vor allem Eugène Delacroix und Gustave Courbet.

Vor allem auf Gustave Courbet hielt Cézanne ganz große Stücke. Vor allem bewunderte er dessen Akte, die für ihn so golden leuchteten wie ein Ährenfeld und an denen er sich nicht satt sehen konnte. Bei seinem Aufenthalt in Paris lernte Cézanne auch andere Maler kennen, wie Auguste Renoir, Claude Monet und Edgar Degas. Seine im Jahre 1864 für die jährliche offizielle Ausstellung im „Salon“ eingereichten Bilder wurden alle zurückgewiesen. Nach dieser schweren Enttäuschung kehrte Paul Cézanne nach Aix zurück.

Erst die Nachwelt erkannte die Genialität des Malers Paul Cézanne

Von 1871 an war Paul Cézanne wieder in Paris, nachdem er im Süden Frankreichs unermüdlich gemalt hatte. Aber noch immer hatte er mit seinen Bildern keinen Erfolg. Seine Malerei wurde nicht anerkannt, seine neue Formensprache konnte sich noch nicht durchsetzen, die Zeit war einfach noch nicht reif dafür. Es war sein Freund Camille Pissarro, der ihn mit der Malweise des Impressionismus bekannt machte. Trotz aller Kritik an seinen Bildern malte Paul Cézanne unermüdlich weiter.

Der renommierte Kunsthändler Ambroise Vollard veranstaltete 1895 eine Ausstellung von etwa 150 Bildern Paul Cézannes. Die so genannten offiziellen Maler überschütteten seine Werke wieder mit Häme und Kritik. Bei den jungen Künstlern allerdings erwacht ein riesiges Interessen für den Malstil von Paul Cézanne.

Von einer Lungenentzündung, die er sich beim Malen, am 15. Oktober 1906, im Freien zugezogen hatte, sollte sich Paul Cézanne nicht mehr erholen. Er starb eine Woche später, am 22. Oktober, völlig einsam und verlassen, da sich seine Frau und sein Sohn gerade in Paris befanden. Sein Leben war hart und schwer, da seine Zeitgenossen seine Kunst nicht verstanden. Doch die Nachwelt begriff seine großartige Malerei und erkannte in Paul Cézanne den Vater der modernen Malerei.

Von Hans Klumbies