Als sich Oliver Rathkolb mit den ersten Plänen für sein Buch „Ökonomie der Angst“ trug, dachte er noch, dass wir im Vergleich zur Zeit vor 1914 in einer vernünftigen und politisch kontrollierbaren neuen Welt leben: „Sie schien sich trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008 in Richtung einer friedlichen und vielleicht auch sozial gerechteren Zukunft zu entwickeln. Zwar gab es Naturkatastrophen wie das verheerende Erdbeben in Haiti und folgenreiche Unglücksfälle wie die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“, aber der Arabische Frühling scheint die Demokratie auch in den nordafrikanischen Raum zu verbreiten. Diktaturen wie jene in Tunesien wurden durch Massenproteste zerstört, die ab 2011 an Intensität zunahmen. Wir hatten alle das Gefühl, jetzt wird auch Nordafrika, getragen von einer jungen Generation, Teil einer globalen Demokratiebewegung. Oliver Rathkolb war langjähriger Vorstand und Professor des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien.
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Passende Bücher bei Amazon findenDer Bürgerkrieg in Syrien forderte mindestens 600.000 Tote
Das galt auch für die ehemalige kommunistische Sowjetunion und die Länder Ost- und Südosteuropas. Oliver Rathkolb befürchtete damals, dass der angedachte Vergleich nicht wirklich interessante Ergebnisse liefern kann. In den USA blühten zahlreiche politische Hoffnungen um den ersten afro-amerikanischen Präsidenten Barock Hussein Obama, obwohl ihn ein New Yorker Immobilienunternehmer namens Donald J. Trump im Februar 2001 beschuldigt hatte, gar nicht in den USA geboren worden zu sein.
Aber genau das Gegenteil ist passiert. Es kam noch schlimmer, als von Pessimisten prognostiziert: Russland verwandelte sich endgültig in eine brutale, aggressive Diktatur. Oliver Rathkolb fügt hinzu: „China blieb am turbokapitalistischen Weg, intensivierte aber mit Hochtechnologie die totalitäre Überwachung der gesamten Bevölkerung und verfolgte mit skrupelloser Brutalität immer intensiver potenzielle Regimegegner.“ In Syrien tobte seit dem März 2011 ein furchtbarer Bürgerkrieg mit zumindest 600.000 Toten und zwölf Millionen Flüchtlingen.
Donald Trump unterhält die Öffentlichkeit mit eindeutigen Lügen
Und Donald Trump hatte 2011 erkannt, wie leicht er die Medien und die Öffentlichkeit mit einer eindeutigen Lüge unterhalten konnte. Oliver Rathkolb ergänzt: „Trump sollte mit einer Unterbrechung zwei Mal Präsident der USA werden in seinem second term versucht er, nicht nur den traditionellen Staat zu zerstören, sondern auch die Rechtsstaatlichkeit und jede Form von Gewaltenteilung und rechtlicher Kontrolle aufzulösen.“ Kein Mensch hätte dies 2011 vorausgesagt.
Oliver Rathkolb stellt fest: „Die politische und ökonomische globale Bühne ist heute ebenso wir vor 1914 extrem unsicher, kaum kontrollierbar und in Bewegung. Der Ausgang ist völlig ungewiss.“ Tiefgreifende technologische Innovationen und deren rasche Umsetzung in völlig neuartigen industriellen Produktionsweisen sowie wesentlich schnellere Transport- und Vertriebsmöglichkeiten, verbunden mit globaler Ressourcen-Ausbeutung, führten und führen zu gravierenden persönlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen. Quelle: „Ökonomie der Angst“ von Oliver Rathkolb
Von Hans Klumbies
