Ohne Smartphones sind manche Menschen nicht mehr handlungsfähig

Mit unseren Smartphones sind wir digital vernetzt, ohne sie sind wir oft nicht mehr handlungsfähig. Andrea Römmele erklärt: „Smartphones ermöglichen es uns, jederzeit und überall mit anderen Menschen zu kommunizieren – ob über Anrufe, Textnachrichten, E-Mails oder die sozialen Medien.“ Wir können über Smartphones auf Nachrichten, Wetter, Rezepte zugreifen – überall, immerzu und sofort. Sie weisen uns mit ihrer GPS-Funktion den Weg und zeigen uns die besten Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr. Auch Wanderkarten haben sie parat. Durch Kalender-Apps, Erinnerungsmeldungen und To-do-Listen helfen sie, unseren Alltag zu organisieren. Unsere Gesundheit überwachen wir mit Health-Apps, die uns dabei unterstützen, unsere Fitness nicht aus den Augen zu verlieren, unsere Ernährung zu planen und individualisierte medizinische Informationen abzurufen. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.

Über das Smartphone können Bewegungsprofile erstellt werden

Mobiles Banking ermöglicht es uns, Geldüberweisungen von überall zu tätigen. Wir können Kontostände prüfen, Überweisungen vornehmen, Aktienfonds einkaufen und mit dem Smartphone auch direkt im Supermarkt bezahlen oder uns den Zugang zur „tube“ verschaffen. Andrea Römmele ergänzt: „Bargeld ist auf dem Rückzug und gehört bald der Vergangenheit an. Auch Fotos und Filme machen wir mittlerweile mit dem Smartphone – bewegte und unbewegte Bilder können sofort bearbeitet und geteilt werden.“

Wir lernen Italienisch und Französisch über eine App. Und wenn wir abends vor dem Schlafengehen noch einen Film schauen möchten, dann geht das natürlich auch. Andrea Römmele warnt: „Es lauern aber auch Gefahren: Wir sind mit unserem Telefon auch individuell erfassbar mittels der Messung von Bewegungsprofilen oder unserer Datennutzung.“ Sie zeigt unsere Vorlieben und Abneigungen, sie analysiert unser Kaufverhalten und registriert jede Art von digitaler Telefon-Aktivität.

Die politische Kommunikation hat sich grundlegend geändert

Damit werden wir ein großes Stück weit gläsern und somit durchschaubar. Und für jene, die Zugang zu diesen Informationen haben, werden wir manipulierbar. Die Digitalisierung verändert vor allem die Kommunikation der politischen Akteure mit den Bürgern und eröffnet diesen umgekehrt neue Möglichkeiten, sich mit politischen Akteuren auszutauschen. Andrea Römmele fügt hinzu: „Die politische Kommunikation hat sich grundlegend geändert. Viele neue Möglichkeiten der politischen Beteiligung, aber auch der zivilrechtlichen Organisation und einer bürgernahen Verwaltung haben sich eröffnet.“

Politische Kommunikation ist eine notwendige Bedingung für das Funktionieren repräsentativer Demokratien. Die Bürger müssen über das politische Angebot der Parteien, ihrer Regierung, informiert sein und die politisch Handelnden müssen auf der anderen Seite die Interessen, Forderungen und Belange ihrer Bürger – allgemein und ganz speziell die ihres Wahlkreises – kennen. Die politische Kommunikation findet also notwendigerweise in einer kommunikativen Dauerschleife statt. Quelle: „Demokratie neu denken“ von Andrea Römmele

Von Hans Klumbies